Predigt über Römer 8,12-17

absztrakt (5)12 Darum, liebe Brüder und Schwestern, sind wir nicht mehr unserer alten menschlichen Natur verpflichtet und müssen nicht länger ihren Wünschen und ihrem Verlangen folgen.13 Denn wer ihr folgt, ist dem Tod ausgeliefert. Wenn ihr aber mit der Kraft des Geistes eure selbstsüchtigen Wünsche tötet, werdet ihr leben.14 Alle, die sich vom Geist Gottes regieren lassen, sind Kinder Gottes. 15 Denn der Geist Gottes, den ihr empfangen habt, führt euch nicht in eine neue Sklaverei, in der ihr wieder Angst haben müsstet. Er macht euch vielmehr zu Gottes Kindern. Jetzt können wir zu Gott kommen und zu ihm sagen: „Vater, lieber Vater!“16 Gottes Geist selbst gibt uns die innere Gewissheit, dass wir Gottes Kinder sind.17 Als seine Kinder aber sind wir – gemeinsam mit Christus – auch seine Erben. Und leiden wir jetzt mit Christus, werden wir einmal auch seine Herrlichkeit mit ihm teilen. 

Ihr Lieben,

Ein methodistischer Pastor sagte mal zu mir, er würde immer in größeren Orten eine methodistische Gemeinde gründen, denn die Mischung aus engagiertem Glauben und Freiheit sei einzigartig. Ja, wir sind dankbar, dass wir über viele Themen ernsthaft reden und dann frei mit dem umgehen, was wir gelernt haben. Freiheit, weil wir uns über die Bindung an Christus und seine erlösende Liebe zu uns freuen, das leben wir gerne, wenn wir können.
Der Geist, den Gott euch gegeben hat, ist ja nicht ein Sklavengeist, sodass ihr wie früher in Angst leben müsstet. Es ist der Geist, den ihr als seine Söhne und Töchter habt. Von diesem Geist erfüllt rufen wir zu Gott: »Abba! Vater!« So schreibt Paulus an die Römer, haben wir eben gehört.
Doch wann und wo können wir als Kinder Gottes ohne Angst leben, wann und wo sollen wir das?
Im Beruf spüren wir so viel Druck von Vorgesetzten und Aufgaben, dass wir uns nur frei dazu entscheiden könne, dass wir so viel wie möglich so gut wie möglich erledigen in der Zeit, die uns zur Verfügung steht. Wenn wir dann nach Hause kommen, entscheiden wir uns frei, dem Druck aus Familie und Haushalt nach zu geben, soweit wir Kraft dazu haben. Nur beim Einschlafen können wir Gott unserm Vater alles anvertrauen und uns frei davon wegträumen und ausruhen.
Mit ständigem Druck zu leben, ist für viele so normal, dass sie es auch im Urlaub oder im Ruhestand tun. Doch was sind das dann für Drücke?
westerholz-flensburger-foerdeIch nehme mal ein Erlebnis beim Pilgern am Dienstag als Beispiel: die Treppe bei Westerholz. Diese Treppe ist Teil des offiziellen Wanderwegs und verläuft 200m östlich parallel zum steilen geschwungenen Fahrweg zur Badestelle Westerholz. Weil sie direkt in den Hang gebaut ist, hat sie doppelt so hohe Stufen wie normal – über 30 Stück. Wir sind sie gegangen, weil steil bergan mit Verkehr an Autos, Radfahrern und Fußgängern zu gehen uns schlimmer erschien.
Alle drei Leitungspersonen forderten uns ernsthaft auf, ganz frei zu sagen, wenn es zu anstrengend ist, ganz frei stehen zu bleiben, solange wir es brauchen.
Die Leitung vorne erklimmt die Treppe, wartet schnaufend , bis die letzten oben an der Treppe zu sehen sind, und geht.
Die direkt dahinter schnaufen schwer und gehen auch. Ich war die vorletzte und nahm mir zweimal die Zeit kurz auf der Treppe zu pusten, schnaufte oben doch schwer, drehte mich einmal um, um das herrliche Panorama noch einmal zu sehen und ging erst rückwärtswesterholz4 dann vorwärts weiter. Die Leitung hinter mir schnaufte auch. Wegen der Angeliter Hügelchen kamen wir nicht recht zu Atem und gingen doch weiter, bis uns eine Pilgerin anhielt, weil ihr vollends die Luft wegblieb. Da gaben wir alle endlich zu, dass wir alle dringend verschnaufen mussten.
Wir alle hatten uns unter Druck gesetzt und die Freiheit, die uns die Leitung gegeben hatte, nicht genutzt. Da war zum einen der Gruppendruck: niemand wollte die Gruppe auf sich warten lassen. Dann war da Leistungsdruck: wo die anderen gehen, kann ich auch gehen. Auch Druck aus dem Selbstbild war da: ich bin so erfahren im Gehen und gehe täglich Treppe, da darf mich doch so eine Treppe nicht schwach machen. Ich könnte das auch als Fragen formulieren: Was werden die anderen mit mir machen? Was werden die anderen von mir halten? Wie stehe ich überhaupt da?
Doch wisst Ihr, was bei diesen Fragen gefehlt hat? Die Frage aller Christen: was würde Jesus tun? Auch bei mir war sie nicht da. Darum muss auch ich mir von Paulus sagen lassen: Brüder und Schwestern! Wir stehen also nicht mehr unter dem Zwang, unserer selbstsüchtigen Natur zu folgen.
Wir erschöpfte Pilger waren in Gefahr das zu erleben, was Paulus so beschreibt: Wenn ihr nach eurer eigenen Natur lebt, werdet ihr sterben. Wenn ihr aber in der Kraft des Geistes euren selbstsüchtigen Willen tötet, werdet ihr leben.
Sagt Jesus uns denn, dass wir immer gut dastehen und kraftvoll die ganze Gruppe voran tragen müssen? Nein!
Jetzt im Nachhinein denke ich, dass Jesus das gesagt hätte, was Matthäus so berichtet: Auf zu mir, alle, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, und ich werde euch Ruhe verschaffen.
Immer wenn Pilgern eine Leistung wird, ist es vor Gott falsch. Pilgern ist ein bewusster wandern-pilgern-eugendorf-contentWeg von mir mit Gott, damit ich meine anderen Wege besser mit Gott gehen kann. Es ist beten mit den Füßen, damit ich dann handeln kann.
Tja, da muss auch ich immer wieder lernen. Ich wiederhole, was Paulus schreibt: Der Geist, den Gott euch gegeben hat, ist ja nicht ein Sklavengeist, sodass ihr wie früher in Angst leben müsstet. Es ist der Geist, den ihr als seine Söhne und Töchter habt. Von diesem Geist erfüllt rufen wir zu Gott: »Abba! Vater!«
Wie dankbar bin ich, dass Martina anrief und wir den letzten Pilgerweg über 18 km am heißesten Tag des Jahres abgesagt haben! Wir nahmen uns die Freiheit zur Schwäche. Als Kinder Gottes müssen wir nichts beweisen.
Doch nun die andere Seite dieser Freiheit der Kinder Gottes! Es gibt ja auch Druck, der kommt, weil wir tun, was Jesus tun würde, weil wir uns für die Freiheit und Würde aller Menschen und Geschöpfe einsetzen. Paulus schreibt: Wie wir mit Christus leiden, sollen wir auch seine Herrlichkeit mit ihm teilen. Die Christen in Rom wurden schwer verfolgt, so wie heute viele Christen in Asien und Afrika. Wir hier leiden heute nur unter bissigen Bemerkungen, wenn wir in die Kirche gehen, statt irgendwo zu frühstücken, oder wenn wir uns sorgen, ob das, was wir kaufen, fair und umweltfreundlich produziert wurde.
Trotzdem ist das der einzige Druck, der mit dem Bewusstsein kommt, Kind Gottes zu sein. Alle anderen Drücke und Verlockungen können wir frei abwehren.
Gott gibt uns das, wofür sich alle Arbeit wirklich lohnt. Paulus schreibt auch an uns: Wenn wir aber Kinder sind, dann sind wir auch Erben, und das heißt: wir bekommen teil am unvergänglichen Leben des Vaters, genauso wie Christus und zusammen mit ihm. Amen.

Pastorin Regina Waack

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