Zukunft

Eine Kirche (Gemeinde) mit Zukunft

braucht Menschen mit lebendigem Glauben

Predigt über Epheser 4, 15 – 16, Flensburg, 9.4.2017

 

  1. Zukunftsprozess NJK

Dok1 … das war der Ausgangspunkt des Zukunftsprozesses, der seit etwa eineinhalb Jahren in unserer Konferenz läuft.

Die Fragen sind nicht wirklich neu; es gab auch frühe schon Programme und Bemühungen, den Rückgang unserer Mitgliederzahlen in Norddeutschland zu stoppen. Parallel dazu haben wir viele Sparanstrengungen unternommen: Wir haben Geld eingespart und Stellen eingespart. Alle Bemühungen haben bisher nur sehr bedingt geholfen, aber viel Frust und Druck verursacht und viel Motivation und Freude gekostet.

Etwas, das wir neben vielem anderen im Reformationsjahr von der Reformation lernen können und was genau so auf die Entstehung unserer eigenen Kirche zutrifft: Eine Kirche lässt sich letztlich nicht von oben durch kluge Programme und strikte Vorgaben reformieren. Wirkliche Veränderung geschieht dort, wo Menschen sich persönlich neu ergreifen und begeistern lassen von der Botschaft des Evangeliums, selber im Glauben wachsen und andere damit anstecken. Martin Luther und John Wesley waren Menschen, die für sich neu die Botschaft von der Gnade und der Liebe Gottes gehört haben und die mit ihrem Feuer große Bewegungen entfacht haben.

Wir hoffen darauf, dass unser Zukunftsprozess auch neues Feuer entfacht, neue Begeisterung für den Glauben und dafür, andere dafür zu gewinnen. Wir erhoffen uns, dass der Geist Gottes uns leitet und bewegt, Antworten auf Fragen zu finden, die wir nicht zum ersten Mal stellen, aber auf die wir bisher keine wirklich hilfreichen Antworten gefunden haben. Wir beten darum, dass der Geist Gottes uns in Bewegung setzt, denn Kirche, Gemeinde, Nachfolger Christi zu sein ist ein lebendiger Prozess und kein starrer Zustand.

Als wir uns im April 2016 zur Jährlichen Konferenz getroffen haben, sind wir daher nicht gleich mit großen Diskussionen über verschiedenste große Themen und Fragen eingestiegen. Die Moderatoren, die uns in diesem Prozess begleiten, haben an den Anfang vielmehr zwei kurze, aber in meinen Augen absolut zentrale Fragen gestellt, mit denen alles anfängt. Diese Fragen sollten wir für uns persönlich beantworten

und uns in kleinen Gruppen darüber austauschen und ich habe euch diese zwei kleinen Fragen heute noch einmal mitgebracht:

Dok3  Dok4

 

2. Was gibt Gemeinden Zukunft? Ein biblisches Zeugnis
Lebendige Kirche und wachsende Gemeinden fangen mit lebendigem und wachsendem Glauben bei jedem und jeder Einzelnen von uns an!
Ich habe dazu einen kurzen Abschnitt aus dem Epheserbrief ausgewählt. Der Brief wurde um 100 nach Christus geschrieben und richtete sich an mehrere Gemeinden. Die erste Gemeindegründungswelle, die erste Begeisterung, die Erwartung, dass Jesus sehr bald wiederkommen würde, war vorbei. Wir haben es mit Gemeinden der zweiten Generation zu tun. Sie wissen, worum es im christlichen Glauben geht, sie haben ein Gemeindeleben und Ordnungen dafür entwickelt, sie haben sich mit ihrer Umwelt arrangiert, sie sind in etwas ruhigeres Fahrwasser gekommen.

Die Frage ist: Wie kann eine Gemeinde auch in der zweiten, dritten Generation lebendig bleiben und sich weiterentwickeln? Dreh- und Angelpunkt des Textes ist Jesus Christus: Auf ihn hin sollen die Christen wachsen; er ist das Haupt und die Energiequelle der Gemeinde.

Epheser 4,15f: Stattdessen wollen wir die Wahrheit in Liebe leben
und in allem zu Christus hinwachsen, dem Haupt der Gemeinde.
Durch ihn ist der Leib fest zusammengefügt, denn er verbindet die
Körperteile durch die verschiedenen Gelenke miteinander. Jeder einzelne
Teil leistet seinen Beitrag. So wächst der Leib und wird aufgebaut
durch die Liebe. (Hoffnung für alle, 2016)

 
2.1. Eine lebendige Gemeinde besteht aus lebendigen Christen

Zweimal ist in diesem kurzen Abschnitt von „wachsen“ die Rede. Vielleicht geht es euch gerade wie mir, dass ihr euch über jedes Zeichen der erwachenden Natur im Frühling freut. Kinder sehnen sich oft danach, groß zu werden und träumen von all den Möglichkeiten, die sie dann endlich haben werden. Doch Wachstum hat auch seine Schattenseiten: z.B. in der Wirtschaft – Wenn einzelne Firmen immer weiter wachsen, kostet es andere das Leben und sie werden vom Markt verdrängt. Politiker, die nur ihr eigenes Land sehen und es zu neuer Größe führen möchten, übersehen, dass die globalen Herausforderungen uns alle betreffen und nur gemeinsam gelöst werden können. Viele von uns erleben in ihrem persönlichen Leben, dass bedingt durch Alter
oder Krankheit die Lebensmöglichkeiten und Kräfte nicht wachsen, sondern abnehmen. Doch der Text spricht ja auch nicht von Wachstum irgendwo hin, sondern von Wachstum auf Christus hin. Es geht hier nicht nur um ein Wachstum nach außen, sondern auch um einen Wachstumsprozess nach innen, um das Reifen im Glauben. Der Kernpunkt um den es hier geht ist der: Glauben an Jesus Christus ist etwas Lebendiges! Glaube ist nichts, was ich mir wie eine Urkunde an die Wand hängen kann. Der Glaube an Jesus Christus ist wie eine Pflanze: Jede Pflanze braucht Erde und Nährstoffe, Wasser und Licht, muss Wurzeln schlagen, um zu gedeihen. Andernfalls verkümmert sie und geht ein. So ist es auch mit dem Glauben: Glaube braucht lebendige Verbindung, Verwurzelung, Nährstoffe um zu gedeihen. Was hält unseren Glauben lebendig und lässt ihn wachsen? Es gibt einige ganz elementare Dinge, John Wesley nannte sie „Gnadenmittel“. Diese sind wie Kanäle, durch die Gottes Gnade und Liebe in unser Leben strömt und unsern Glauben nährt. Dazu gehören Gottesdienst, Gebet, Bibelstudium, das Abendmahl, geistliche Gemeinschaft mit anderen, Fasten.

Und noch ein weiterer Gedanke zum Wachstum: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass man an den Wachstumsringen eines Baumstammes nicht nur das Alter des Baumes ablesen kann, sondern auch einiges über seine Lebensgeschichte erfährt. Vielleicht ist euch schon einmal aufgefallen, dass es breitere und schmalere Jahresringe gibt. Forschungen haben ergeben, dass die schmalen Ringe in den Jahren entstehen, in denen die Lebensbedingungen für den Baum schwierig waren (Trockenheit, Stürme, Schädlingsbefall….). Diese schmaleren Ringe sind jedoch deutlich härterals di e breiten Ringe und leisten deshalb einen sehr wichtigen Beitrag zur Stabilität eines Baumes. So können auch schwierige Zeiten in unserem Leben sich im Rückblick als Zeiten erweisen, die für unser geistliches Wachstum von großer Bedeutung waren und unseren Glauben gestärkt haben. Das nimmt nicht die Belastung und die Sorgen von schwierigen Lebensphasen einfach weg. Aber vielleicht hilft uns dieser Gedanke, auch in schwierigen Zeiten Vertrauen zu haben und ermutigt uns, gerade dann umso mehr die Nähe zu Christus zu suchen und die Beziehung zu ihm zu pflegen.

Ich möchte euch dazu einladen für einige Momente über euren Glaubensweg nachzudenken: Ist dein Glaube wachsender Glaube? Kannst du eine Veränderung beschreiben, wenn du ein paar Monate oder Jahre zurückdenkst? Machst du lebendigen Gebrauch von den Gnadenmitteln? Wonach sehnst du dich, wenn du in die Zukunft denkst? Wofür möchtest du dich neu öffnen? —-

Lebendiger Glaube wirkt sich im Leben aus und wird sichtbar. Der Text drückt es so aus: „Wir wollen die Wahrheit in Liebe leben“. Das, was ich für mich als Wahrheit und Sinn meines Lebens erkannt habe, soll in meinem alltäglichen Leben zum Ausdruck kommen. Am Sonntag in der Kirche zu sein und am Montag über die merkwürdige Arbeitskollegin
abzulästern, bei der Steuererklärung oder der Versicherung zu den eigenen Gunsten zu tricksen, die eigenen schlechte Laune am Ehepartner auszulassen, der dafür nichts kann, passt dazu schlecht. Und zur „Wahrheit in Liebe (zu) leben“ gehört auch, mit anderen genau so selbstverständlich über das zu reden, was mir der Glaube bedeutet wie über den letzten Kinofilm oder eine andere Erfahrung, die mich begeistert hat. Dazu brauche ich keine langen Seminare „Wie rede ich vom christlichen Glauben“, sondern da reicht es, wenn ich einfach von dem erzähle, wo mir der Glaube hilft und wie Christus mich
begeistert.

2.2 Eine lebendige Gemeinde hat als Mitte Jesus Christus

Lasst uns noch einen kurzen Blick auf das zweite Bild in unserem kurzen Text werfen: Es erinnert uns daran wie wichtig es ist, auf unserem Glaubensweg Teil eines größeren Ganzen zu sein. Wir brauchen den Austausch und das Miteinander mit anderen. Jede und jeder von uns leistet in seiner/ihrer Einzigartigkeit einen wichtigen Beitrag zur
Gemeinschaft. Auf Christus hinwachsen heißt auch, in unseren Beziehungen zueinander zu wachsen, weil er uns miteinander verbindet. Christus ist, so sagt es der Text, der Kopf der Gemeinde. Hinter diesem Bild steht die antike medizinische Vorstellung, dass die Gelenke die Verbindung zwischen den verschiedenen Körperteilen herstellen und der Kopf es ist, der über die Gelenke den Organismus mit den nötigen Antriebs- und Wachstumskräften versorgt. Heute würden wir vielleicht sagen, dass das Herz ein mindestens genau so wichtiges Körperteil ist.
Gemeinde sein heißt, dass wir durch Christus alle miteinander verbunden sind. Er ist es, der Gemeinschaft unter uns stiftet. Wir haben uns einander nicht ausgesucht, aber wir haben eine gemeinsame Basis, auf der wir uns finden können. Es muss ja nicht unbedingt sein, dass das Schlüsselbein und der kleine Zeh die dicksten Freunde sind. Aber dass sie einander achten, wertschätzen und Interesse aneinander haben, sollte selbstverständlich sein.

Am Anfang unserer Kirche waren die sogenannten „Klassen“ eins der Markenzeichen des Methodismus: Jede Woche hat man sich in seiner Gruppe getroffen und sich sehr ehrlich ausgetauscht über das, was im eigenen Leben und Glauben gelungen ist und was nicht gut gelaufen ist. Es wurde miteinander in der Bibel gelesen und gebetet. Es entstand eine intensive geistliche Gemeinschaft, durch die die Menschen in ihrem Glauben gewachsen sind. Suchen wir diese Gemeinschaft? Nehmen wir uns Zeit dafür? Sind wir so offen füreinander und miteinander? Ich glaube, dass auch heute ein großer Segen darauf liegt und kann nur dazu ermutigen, sich in einer Gruppe zu beheimaten oder wenigstens ein oder zwei Personen zu suchen, mit denen ein solcher Austausch möglich ist.

Und wenn wir so miteinander unterwegs sind, kann Gemeinde über sich selbst hinaus wachsen. Hier wird das Bild des Körpers wieder gesprengt,dem man nicht beliebig neue Körperteile anhängen kann. Aber wenn Menschen im Glauben wachsen, wenn Jesus Christus ihre Mitte und ihre Energiequelle ist, dann hat das eine Ausstrahlung und eine Anziehungskraft. Menschen werden einen Ort finden, wo sie selbst Christus begegnen und seine heilende und vergebende Liebe erfahren können. Sie werden eine Gemeinschaft entdecken, die sie willkommen heißt mit all ihren Fragen und Sorgen. Sie werden neuen Sinn für ihr Leben finden. Sie werden selber Teil der lebendigen Gemeinschaft, durch die Christus in der Welt gegenwärtig ist.

 
3. Viele lebendige Gemeinden in der NJK
Eine der Zukunftsfragen im Zukunftsprozess der Konferenz lautet: Wie und womit kann die NJK einzelnen und Gemeinden helfen, geistlich zu wachsen, damit einzelne und Gemeinden ein größere missionarische Wirkung entfalten?

Als Konferenz können wir (und als Superintendentin kann ich) dazu nur anregen und motivieren. Lebendigen Glauben und Wachstum sowohl im geistlichen Sinn als auch an Zahlen können wir nicht „machen“ und gibt es nicht auf Knopfdruck.

Wachsen im Reich Gottes beginnt nicht mit zahlenmäßigem Wachstum, sondern damit, dass wir auf Christus hin wachsen, dass wir uns berühren lassen von ihm und uns in seinen Dienst nehmen lassen. Dann aber, davon bin ich fest überzeugt, dürfen wir auch damit rechnen, dass Gemeinden über sich selbst hinaus wachsen und andere sich anschließen.

Deshalb sind lebendige Gemeinden die Basis für eine Zukunft der Kirche. Und Menschen mit lebendigem Glauben sind die Basis einer lebendigen Gemeinde. Das bringt uns zurück zu den zwei schlichten Fragen vom Anfang:

„Wo berührt mich Gott? Was muss in die Welt?“ – Ich glaube, diese zwei kleinen Fragen sind wie Samenkörner mit dem Potenzial zu wachsen. Ich lade euch ein, ihnen Raum zu geben in euch persönlich, aber auch in der Gemeinde, in Kleingruppen und in Gesprächen, wenn ihr euch trefft.

Ich bete um eine wachsende Zahl von lebendigen und neu belebten Gemeinden in unserer Konferenz und ich lade euch ein, mit mir dafür zu beten. Lasst uns einander ermutigen und unterstützen auf unserem Weg, auf Christus hin zu wachsen.
Ich wünsche euch und mir Freude und Segen in diesem Wachstumsprozess.
Amen.

Superintendentin Irene Kraft

Irene Kraft

Bezirksversammlung 2017

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