Europasonntag 07.05.2017

Wir feiern heute mit vielen europäischen Ländern die Europawoche: Sie liegt jeweils umeuropa den 5. Mai als Gründungstag des Europarates und den 9. Mai als den Tag, an dem der französische Außenminister Robert Schumann 1950 die Grundlage zum EU-Vorläufer Montanunion legte.

 

NT-Lesung 1. Korinther 12, 4-6 + 12-27 (aus der Übersetzung der Guten Nachricht)

Es gibt verschiedene Gaben, doch ein und derselbe Geist teilt sie zu. Es gibt verschiedene Dienste, doch ein und derselbe Herr macht dazu fähig. Es gibt verschiedene Wunderkräfte, doch ein und derselbe Gott schenkt sie – er, der alles in allen wirkt.
Der Körper des Menschen ist einer und besteht doch aus vielen Teilen. Aber all die vielen Teile gehören zusammen und bilden einen unteilbaren Organismus. So ist es auch mit Christus: mit der Gemeinde, die sein Leib ist. Denn wir alle, Juden wie Griechen, Menschen im Sklavenstand wie Freie, sind in der Taufe durch denselben Geist in den einen Leib, in Christus, eingegliedert und auch alle mit demselben Geist erfüllt worden. Ein Körper besteht nicht aus einem einzigen Teil, sondern aus vielen Teilen. Wenn der Fuß erklärt: »Ich gehöre nicht zum Leib, weil ich nicht die Hand bin« – hört er damit auf, ein Teil des Körpers zu sein? Oder wenn das Ohr erklärt: »Ich gehöre nicht zum Leib, weil ich nicht das Auge bin« – hört es damit auf, ein Teil des Körpers zu sein? Wie könnte ein Mensch hören, wenn er nur aus Augen bestünde? Wie könnte er riechen, wenn er nur aus Ohren bestünde? Nun aber hat Gott im Körper viele Teile geschaffen und hat jedem Teil seinen Platz zugewiesen, so wie er es gewollt hat. Wenn alles nur ein einzelner Teil wäre, wo bliebe da der Leib? Aber nun gibt es viele Teile, und alle gehören zu dem einen Leib. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: »Ich brauche dich nicht!« Und der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: »Ich brauche euch nicht!« Gerade die Teile des Körpers, die schwächer scheinen, sind besonders wichtig. Die Teile, die als unansehnlich gelten, kleiden wir mit besonderer Sorgfalt und die unanständigen mit besonderem Anstand. Die edleren Teile haben das nicht nötig. Gott hat unseren Körper zu einem Ganzen zusammengefügt und hat dafür gesorgt, dass die geringeren Teile besonders geehrt werden. Denn er wollte, dass es keine Uneinigkeit im Körper gibt, sondern jeder Teil sich um den anderen kümmert. Wenn irgendein Teil des Körpers leidet, leiden alle anderen mit. Und wenn irgendein Teil geehrt wird, freuen sich alle anderen mit. Ihr alle seid zusammen der Leib von Christus, und als Einzelne seid ihr Teile an diesem Leib.

 

Ihr Lieben,

Gerade eben haben wir von der Vielfalt und der Einheit darin gehört. Das passt sehr gut europe-1155038zum Europäischen Pott, der für uns alle in der Mitte auf dem Tisch steht. Diese Handelsunion hat uns seit über 60 Jahren gute Dienste geleistet, wie ja überhaupt Handelsunionen besser sind als politische Verträge.

Schon vor 1000 Jahren hat es in den deutschen Landen Handelsunionen gegeben; ich denke an Haitabu bei Schleswig und an die Hanse. Deutschland liegt ja ziemlich mittig in Europa und hat große Wasserwege, da haben immer schon viele Handel getrieben. Wie ich eben andeutete, stelle ich mir eine Handelsunion als einen großen Pott vor, in den viele verschiedene Menschen Verschiedenes hineintun und Verschiedenes herausnehmen. Dabei kommt es immer darauf an, dass sie das, was sie reintun, gut mit dem vergleichen können, was sie rausnehmen. Es entwickeln sich in Handelsunionen immer gemeinsame Standards und gemeinsame Verfahren und Handelsrechte. Außerdem ist es wichtig, dass die Menschen die Dinge aus dem Handelspott gut in ihre Häuser kriegen, sonst kommen sie nicht wieder zum Handeln. Darum braucht eine Handelsunion gute und sichere Wege und einen gewissen Frieden. Eine politische Union kann den Frieden als Gewaltherrschaft herstellen, eine Handelsunion braucht Miteinander und Kompromisse. Weil eine politische Union auf Macht von Parteien oder Personen beruht, geht sie immer wieder in Kriegen oder Aufständen unter.

Eine Handelsunion wie die Hanse hat etwa 500 Jahre funktioniert und einige territoriale Kriege überstanden.

Auch in den Staaten der Europäischen Union hat es Kriege und Staatskrisen gegeben, doch der Europäische Pott ist immer noch da und macht vielen Menschen vieles möglich. Inzwischen wird er auch zur Wertegemeinschaft aufpoliert. Doch weil es eben nur ein Pott ist, gibt es viel Hickhack darum, wer wie viel hineintut und wer was herausnimmt. Denn dieser Pott ist eine begrenzte Gemeinschaft zum Geben und Nehmen. Wir sind täglich Teil davon.

Doch wir sind auch Teil einer anderen Gemeinschaft. Gott liebt uns, darum sind wir da, das haben wir mit Menschen anderer Religionen gemeinsam. Nur um zu zeigen wie groß Gottes Liebe ist, habe ich mal ausgerechnet, wie oft Gott Frauen die Möglichkeit gibt, ein Kind zu empfangen. Wenn ich annehme, dass alle Frauen zwischen 15 und 45 Jahren ihre Periode haben und also jeden Monat eine Eizelle springt, dann sind wir alle eine von 360 Möglichkeiten unserer Mütter. Niemand von uns hat 3o Geschwister – falls gesunde Frauen jedes Jahr ein Kind bekämen. Doch ohne überhaupt etwas dazu tun zu können, sind wir aus den 360 Möglichkeiten unserer Mütter eine, die hier sitzen und sich am Leben freuen darf. Was für eine Fülle, aus der wir ausgewählt wurden, einfach so aus Liebe!

Einige unter uns haben Gottes Liebe bestätigt gefunden, als sie in Lebensgefahr waren und nichts tun konnten.   Sie wissen ganz besonders, dass sie ein Geschenk an die Welt sind.

Wie gesagt, dieses Bewusstsein von Gottes Liebe zu uns Menschen an sich teilen wir mit Menschen aller Religionen, die von Gott als Liebe sprechen, ob sie nun Adonai oder Gott oder Allah sagen. Mit ihnen zusammen bemühen wir uns beim Hickhack um den Europäischen Pott um Großzügigkeit beim Verteilen und um Sozialstandards, weil alle Gottes Geschenke sind.

Doch wir Christen sind Teil einer noch engeren Gemeinschaft. Gucken wir mal Jesus und die Pötte, also die Mahlzeiten, an: da ist der erste Fischzug des Petrus als Gegenleistung für ein paar Meter auf den See fahren, diese Mahlzeit reichte seiner Familie für Monate. Dann die Mahlzeiten für Tausende und der Wein für die Hochzeit, die Leute hatten mehr als genug und sogar dann, als sie es nur zur Freude brauchten. Gibt unser Europäischer Pott allen genug und sogar etwas Freude und Luxus?

abendmahl2Schließlich der letzte Pott mit Jesus: das Abendmahl. Da sagte er: „einer wird mich verraten“ und alle fragten: “Bin ich es?“, weil sie alle wussten, was für Wackelkandidaten sie waren. Diesen Wackelkandidaten, und später uns Wackelkandidaten, gab Jesus das Brot und sagte: „Nehmt und esst, das bin ich. Mit allem will ich mich für Euch und alle Menschen einsetzen, ganz eng will ich mit euch und ihnen zusammen sein.“

Am Ende begründete er einen neuen Bund aus einem Kelch, wo alle gemeinsam draus trinken, weil alle mit ihm und miteinander so eng verbunden sind, wie es nur in Familien vorkommt oder an einem Leib vorkommt.

Dasselbe ist allen Christen Europas passiert, ob Griechenland oder Ungarn oder Schweden oder England. Wir alle sind durch Taufe und Abendmahl Christi Leib und Christi Familie. Was heißt das für den Europäischen Pott? In allen Verhandlungen bleiben wir auch mit denen irgendwie verbunden, die wir nicht mögen.   In einer Familie gehören auch die Mitglieder dazu, die gehen. Darum gibt es in Familien oft so hartnäckigen Streit, der alles ausreizt, und dann doch immer wieder Wege zur Versöhnung.

Weil Jesus Christus auferstanden ist, wissen wir in Christi Familie besonders gut, dass ein Neuanfang immer möglich ist. Das gilt auch für den Europäischen Pott und auch für die Länder, mit denen es im Moment schwer ist.

So gehen wir heute wählen als Gottes Geschenke an die Welt, als Teilhaber am Europäischen Pott und als Geschwister von Christi Familie, die auch weltweit ist. Amen.

Pastorin Regina Waack

 

Ich möchte ein Mensch des Friedens werden. munkaképek (56) Ich möchte so leben, dass auch andere Menschen leben können – neben mir – fern von mir – nach mir. Ich suche das Gespräch mit Andersdenkenden. Ich bedenke die Fragen, die sie mir stellen. Ich möchte so leben, dass ich niemandem Angst mache. Ich bitte darum, dass ich selber der Angst nicht unterliege. Ich setze meine Fähigkeiten und Kräfte für eine Gesellschaft ein, in der der Mensch dem Menschen ein Helfer ist. 

(Friedrich Schorlemmer und Friedenskreis Wittenberg, 1983)

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