Gottesdienst am Volkstauertag

Predigt über Matthäus 20,20-28

Liebe Geschwister in Christus,
Friedendekade 2017Ich habe Euch noch mal das Bild von der diesjährigen Friedensdekade mitgebracht. Sieht diese Friedenstaube nicht wie eine energische Mutter aus, wie sie da ihren Olivenzweig in die Hüfte stemmt? Ja, sie könnte gerade anfangen, uns eine Standpauke zu halten; oder sie wartet energisch, ob wir nun auch etwas tun.
Ach ja, die Mütter! Gerade hat uns Uwe vorgelesen, wie eine kam, um bei Jesus für ihre Söhne die absolute Vormacht vor den anderen zu erbitten. Die trauen sich auch alles zu, was dafür nötig ist.
Aber natürlich gibt es dann Streit! Wie gut, dass der nun wenigstens so offen ausgetragen wurde, dass Jesus darauf reagieren konnte! Beim Miteinander der Bibelausstellung hörte ich einmal: „wir hatten keinen Streit, die andere darf nur nicht mehr hierher kommen!“ Das fand ich ganz schrecklich! Da war eine heftige Spannung über etwas – und zwei Christinnen konnten nicht mal reden und sich darüber einigen, dass sie sich nicht einigen können! Das zeigt nur, dass die Familie Jesu Christi, unsere Familie, genauso schlecht ist wie die anderen Familien, zu denen wir gehören.
Es stimmt: Streit gibt es in den besten Familien und schon immer auch bei Jesus. Der hat beim Streit um die Vormacht reagiert wie diese gereizte Friedenstaube; ich lese wieder vor: Wer unter euch groß sein will, soll euer Diener sein, und wer an erster Stelle stehen will, soll euch Sklavendienste leisten.  Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen
Für mich heißt das: wenn jemand bedienen soll, dann bediene selbst! Wenn geholfen werden soll, dann hilf! Wenn Unrecht durch fairen Handel ersetzt werden soll, dann kaufe selber fair ein!
Oder um an meinen gestrigen Morgen zu erinnern: wenn geputzt werden soll, dann putze.
Das ist tatsächlich eine andere Rolle von Macht. Jesus hat ja die alte Rolle von Macht so beschrieben: Ihr wisst: Die Herrscher der Völker, die Großen in der Welt, unterdrücken ihre Leute und lassen sie ihre Macht spüren.
Da ist Macht, dass ich andere dazu bringe etwas zu machen. Doch Jesus benutzt Macht anders: Macht heißt für ihn, dass ich selber etwas machen kann.
Ja, und natürlich kann das an unsere Grenzen gehen. Das ist bei Streit schnell mal so. Jesus hat für diese Macht zu machen und zu dienen die Grenze zum Tod überschreiten müssen.
Es kann auch sein, dass keiner sieht und anerkennt, wie wir dienen. Jesus hat das selbst gesagt, als sich die beiden Jünger und ihre Mutter Hoffnungen machten durch Leiden zur Macht zu kommen. Ich lese wieder vor, Jesus sagte: Ihr werdet tatsächlich den gleichen Kelch trinken wie ich, aber ich kann nicht darüber verfügen, wer rechts und links neben mir sitzen wird. Auf diesen Plätzen werden die sitzen, die mein Vater dafür bestimmt hat.
Das klingt jetzt alles sehr hart. Aber unsere gereizte Friedenstaube hat ihren Ölzweig noch, das Symbol der Hoffnung.
Jesus sagt: der Menschensohn ist gekommen, um sein Leben als Lösegeld für alle Menschen hinzugeben.
Es geht um „Lösegeld“, um Erlösung für viele, für alle. Dafür hat Jesus sein Leben schon hingegeben, dafür ist er schon zu einem ganz anderen neuen Leben auferstanden. Darum sind wir erlöst davon, mit brechenden Rücken dienen und dulden zu müssen. Unser Dienen kann sein, dass wir etwas ganz anderes Neues machen. Denn das Ziel hat ja schon der Prophet Jeremia beschrieben, ich lese nochmal vor: Sorgt für Gerechtigkeit… Nur unter dieser Bedingung werden auch künftig Könige, die auf Davids Thron sitzen, durch die Tore dieses Palastes ein- und ausziehen, auf Pferden und Wagen, sie und ihre hohen Beamten, und auch das Volk wird weiterhin diesen Palast aufsuchen.  Wenn ihr aber nicht auf meine Weisungen hört, dann wird dieser Palast zum Trümmerhaufen werden
Unsere Gesellschaft und unsere Welt braucht Gerechtigkeit und Frieden, damit wir überhaupt alle unser Leben weiterführen können. Unsere Zukunft hängt davon ab, dass wir mit Gottes Hilfe etwas anderes machen als die, die jetzt den heftigen Streit und Krieg in unsere Welt bringen.
Übrigens: hier in Deutschland sind das nicht die, gegen die wir keine Chancen haben, sondern die, denen wir mit unserem Wahlzettel zugestimmt haben, und die, deren Geschäfte wir als Kunden unterstützen. Ich gebe zu, das ist so kompliziert, dass wir wieder fragen, was sollen wir denn machen?
Mutter Friedenstaube würde sagen: „Keine Ausrede! Auch kleine Schritte sind gut. Fang einfach an und fürchte dich nicht vor Schwierigkeiten. Gott wird dir zeigen, was als Nächstes für dich dran ist.“ Amen

Pastorin Regina Waack

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