Predigt über Epheser 3,14-21

Ihr Lieben,
wir Menschen sehen viele Aufgaben vor uns. Da sind einerseits Gottes Aufträge gegen das Böse in der Welt und andererseits Herausforderungen für uns selbst und unsere Lieben. „Exaudi“, also „erhöre uns“, hört Gott ständig.
Dabei kann es vorkommen, dass übersehen wird, was schon da ist. Selbst Paulus passierte das im Brief an die Epheser. In den ersten beiden Kapiteln lobte er die Gemeinde und stellte dar, welche großartige Gabe uns in Jesus Christus gegeben ist. Dann erwähnte er, dass er für diese Gute Nachricht im Gefängnis ist. Und dann schreibt er doch tatsächlich: Deshalb knie ich vor Gott nieder und bete zu ihm. Er ist der Vater, der alle Wesen in der himmlischen und in der irdischen Welt beim Namen gerufen hat und am Leben erhält. Ich bitte ihn, dass er euch aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit beschenkt
Ja, aber wir sind doch schon beschenkt. Das kann ich bezeugen.
Ich las gestern, dass die Zahl der Hundertjährigen wieder gewachsen ist. Über 50% von ihnen sind zufrieden. Unter uns sind auch viele zufrieden.
Löwenzahn 1Der Löwenzahn blüht; das ist für mich ein Zeichen von Genuss und Verschwendung an den unmöglichsten Orten. Die jungen Blätter vom Löwenzahn sollen sehr gut schmecken, aus den gelben Blüten kann Gelee gekocht werden, die Wurzel kann auch geröstet und als Kaffeeersatz verwendet werden. Löwenzahn kann Krebszellen am Wachstum hindern und die Verdauung regulieren. Trotzdem gilt Löwenzahn als Unkraut und wächst überall, wo Menschen sich nicht um Pflanzen kümmern. Wie reich ist Gott, dass unser Schöpfer so eine begabte Pflanze überall auf der Nordhalbkugel unserer Erde verstreut, bis wir sie lästig finden. Welche anderen Geschenke von Gott übersehen wir noch?
Paulus bittet für die Epheser: dass Gott euch durch seinen Geist innerlich stark macht.
Viele hier begleiten andere in größten Notlagen; einige tun das im Hospiz, andere bei Besuchen in Altenheim, wieder andere als Betreuer. Einige begleiten auch geduldig Menschen in schwierigen Übergangsphasen. Woher können wir das tun? Doch nur weil Gott uns dafür innere Stärke gegeben hat. Also nicht nur „Audi“ zu Deutsch „Höre“ sondern wirklich „EX-audi“ zu Deutsch „erhöre fertig.“ Das bezeuge ich und darüber freue ich mich.
Paulus bittet weiter: dass Christus durch den Glauben in euch lebt und ihr fest in seiner Liebe wurzelt und auf sie gegründet seid.
Ja, sicher können wir auch da immer noch mehr wünschen. Doch ich denke an viele Gäste, die eine Zeitlang öfter zu uns kamen und nun schon lange nicht mehr da sind. Wie liebevoll wurden sie aufgenommen, wie schnell ist die Verbindung wieder da, wenn Grüße ausgerichtet werden! Viele unserer Freunde sind nur noch in unseren Fürbitten unter uns, aber wir denken liebevoll an sie. So geben wir die bedingungslose Liebe Jesu Christi weiter, weil Christus in uns lebt! Ich merke es, bezeuge es und freue mich.
Paulus bittet: dass ihr zusammen mit der ganzen Gemeinschaft der Glaubenden begreifen lernt, wie unermesslich in der Breite, Länge, Höhe und Tiefe euch Gott beschenkt.
Wir als Gemeinde sind in manchen Plänen tief enttäuscht worden. Wir haben unseren Liedschatz und unser Verständnis für andere Kulturen erweitert. Wir haben Konflikte mit langem Atem zu einem positiven Ausgang geführt. Wir haben Höhepunkte gemeinsam gestaltet und erlebt. Sicher ist es nur ein kleiner Teil von dem, was Gott tun kann, aber ich bezeuge es und freue mich dran.
Paulus wünscht uns: Ihr sollt die Liebe erkennen, die Christus zu uns hat und die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr immer umfassender Anteil bekommen an der ganzen Fülle des Lebens mit Gott.
Ja, das ist eine passende Bitte für so einen Sonntag zwischen Abschied von dem, was an Jesus Christus menschlich sichtbar war, und Lobpreis über seine unsichtbare Gegenwart in so vielen Erfahrungen. Wir sind ja immer unterwegs zwischen dem, was wir schon an Liebe erfahren haben, und dem, was von Gott her noch alles möglich ist.
Im Advent denken wir auch an dieses Dazwischen. Wir sehen viel Not und wir sehnen uns nach dem erfüllten Ende.
Mark Wiggin (Veritasse)Doch zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ging es Jesu Jüngern anders; so könnte es uns heute am Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten auch anders gehen.
Jesu Jünger sind nicht in das Alte zurückgegangen; sondern sie haben sich neu organisiert und haben Gott gelobt wegen Ostern. Wir sind unterwegs, aber wir fangen täglich neu mit dem an, was schon an uns geschehen ist. Die Freude darüber kann uns Kraft geben, damit wir in Bewegung bleiben. Denn da kommt immer noch etwas und da geht immer noch etwas.
Ich stimme ja Paulus zu, wie er schreibt: Gott kann unendlich viel mehr an uns tun, als wir jemals von ihm erbitten oder uns ausdenken können. So mächtig ist die Kraft, mit der er in uns wirkt.
Wir kommen also nie ans Ende der liebevollen Überraschungen und Geschenke, die Gott uns und der Welt macht. Das bezeuge ich und lege es als unendlich mächtiges Gegengewicht in die Waagschale gegen die andere Schale mit den vielen Fehlern und dem alltäglichen Bösen und Elend, gegen das wir immer neu ankämpfen müssen.
Guckt auf den Löwenzahn; Gott kann unendlich viel mehr, als wir ausrupfen und zerstören können. Gott kann uns unendlich viel Kraft und Geist für Frieden und ein gutes Leben für alle auf der Welt geben.
Am Ende unseres Weges von dem, was Gott uns schon schenkte, zu dem, was wir noch gar nicht wissen können, wird der Lobpreis stehen, da bin ich sicher.
Paulus schreibt: Gott gehört die Ehre in der Gemeinde und durch Jesus Christus in allen Generationen, für Zeit und Ewigkeit! Amen.

Pastorin Regina Waack

Löwenzahn 4

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