Predigt über Jeremia 23,16-29

Ihr Lieben,
wie gut, dass unser kirchlicher Kalender seit 2000 Jahren dem Jahreslauf auf der Nordhalbkugel unserer Erde angepasst ist! Da haben wir jetzt mit Ostern und Pfingsten die ganzen Feste hinter uns, die mit neuem Leben und neuem Blühen und Segen zu tun haben. Jetzt ist die Zeit unsere Aufgaben auf der Erde zu erfüllen; jetzt können wir in den Garten gehen und pflegen und bewahren, was da wächst. Als Menschen haben wir ja die Aufgabe auf der ganzen Erde zu pflegen und bewahren, was da wächst – nicht nur in der Natur auch an Gruppen und Verbänden und Gesellschaften. –
Auf den ersten Blick sollte uns das in Deutschland und Europa sehr leicht fallen. Hier ist die Konjunktur gut, viele haben Arbeit, viele Hilfsorganisationen sorgen für die anderen. Überall können wir uns mit Tat oder Geld beteiligen, aber es läuft auch ohne uns. Gut, ne?
An einem so wunderschönen Sommertag wie heute möchte ich am liebsten sagen und glauben: „was kümmert ihr euch um morgen? Alles ist gut, alles bleibt gut!“ Machen wir es uns auf der Terrasse im Schatten bequem. Sonntag ist Ruhetag.
Doch Gottes Wort für heute aus dem Buch des Propheten Jeremia rüttelt mich auf; esJeremia_Michelangelo_Sixtinische Kapelle erinnert an unbequeme Tatsachen in der Welt und in unserer Gemeinde. Ich lese mal vor: „Der Herr, der Herrscher der Welt, sagt: »Hört nicht auf das, was die Propheten euch verkünden! Sie halten euch zum Narren. Sie sagen euch, was ihr Herz ihnen eingibt, nicht was sie aus meinem Mund gehört haben. Denen, die meine Warnungen nicht ernst nehmen, wagen sie zu verkünden: ›Der Herr sagt: Es wird euch blendend gehen‹, und selbst denen, die ihrem eigensinnigen und bösen Herzen folgen, sagen sie: ›Ihr habt nichts Schlimmes zu befürchten.‹ Keiner dieser Propheten hat je in meiner Ratsversammlung gestanden und von meinen Plänen gehört; keiner hat erfasst, was ich will!« Wie ein verheerender Sturm wird der Zorn des Herrn losbrechen und alle Schuldigen treffen. Er wird nicht aufhören zu wüten, bis alles ausgeführt ist, was der Herr sich vorgenommen hat. Erst wenn es zu spät ist, werdet ihr zur Einsicht kommen und alles begreifen. »Ich habe diese Propheten nicht geschickt«, sagt der Herr, »und doch sind sie losgelaufen; ich habe nicht zu ihnen gesprochen und doch reden sie und berufen sich dabei auf mich. Wenn sie in meiner Ratsversammlung gestanden hätten, dann müssten sie meinem Volk doch verkünden, was ich gesagt habe; sie müssten es dazu anhalten, sein Leben und Tun zu ändern!«
Es ist eine Tatsache, dass jede und jeder, die oder der heute ein Kleidungsstück ohne Fair Trade Siegel trägt, zur Ausbeutung von Menschen und vor allem von Jugendlichen und Kindern beigetragen hat. Wir sind es also alle, denn es gibt wenig Fair Trade Wäsche.
Es ist auch eine Tatsache, dass alle, die mit einem Fahrzeug mit 4 Rädern hierhergekommen sind, sich an der Belastung unseres Klimas beteiligt haben. Nur wer mit einem Fahrrad ohne Elektromotor oder von Tür zu Tür zu Fuß gekommen ist, könnte da ein gutes Gewissen haben. Ich nicht, denn ich wollte nicht so schwitzen.
Und was ist mit unserer Gemeinde? Wir sind freundlich und einladend und haben es unter uns immer gemütlich. Doch wie pflegen wir die zarten Pflänzchen an Glauben und Suchen unter unseren Mitmenschen, die vielleicht durch die Teilnahme an einer der vielen Konfirmationen gewachsen sind? Zeigen wir uns mit unserem Glauben als Ansprechpartner für alles rund um die Liebe zu Mensch und Welt?
Außerdem gibt es auch Anzeichen, dass wir unser Gemeindeleben ändern müssen, weil wir für einige Dinge zu wenige Personen mit Kraft haben. Vielleicht meinen einige hier: „nun bin ich schon so alt. Die paar Jahre, die ich noch lebe, wird das mit der Gemeinde schon gut gehen. Was soll ich da ändern?“ Das kann ich gut verstehen. Aber ich fürchte, das Ende der methodistischen Gottesdienste am Sonntag ist näher, als wir gerne hätten.
Nun habe ich im Vergleich zu Jeremia ziemlich sanft gemahnt. Er hatte auch mit mehr politischer Propaganda zu kämpfen. Als Jeremia im Namen Gottes gegen die optimistischen Hofpropheten wütete, überlegte der israelische König mit seinen Räten gerade, ob sie mit Ägypten gegen die Babylonier kämpfen sollten statt sich zu unterwerfen und jährliche Abgaben zu zahlen. Jeremia sagte: „ Ihr werdet das verlieren und ins Exil gehen; unser Volk ist zu zerrissen, weil es so viel Ungerechtigkeit gibt.“– Die Hofpropheten sagten: „wir sind Gottes Volk, Gott ist mit uns.“ Ja, das war damals richtig und gilt auch heute noch für unsere Erde und für unsere Gemeinde. Gott ist mit uns, das werden wir gleich im Abendmahl wieder feiern. Aber Jeremia hat den Auftrag, eine andere Wahrheit über Gott daneben zu stellen. Ich lese vor: Der Herr sagt: »Ich bin nicht der nahe Gott, über den ihr verfügen könnt, ich bin der ferne Gott, der über euch verfügt. Niemand kann sich so gut verstecken, dass ich ihn nicht doch entdecken würde. Es gibt keinen Ort im Himmel und auf der Erde, an dem ich nicht wäre!«
Auch das ist wahr. Nur weil wir glauben und versuchen, in Jesu Spuren zu gehen, garantiert Gott nicht, dass wir es immer gemütlich haben. Gerade am Abendmahl sehen wir das, denn es wurde eingesetzt in der Nacht, als Jesus verraten wurde. Am Tag darauf wurde Jesus ausgepeitscht und hingerichtet. Jesus hatte sich im Mahl seinen Jüngern und uns für einen neuen Bund mit Gott gegeben, einen Tag später schrie er: “mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Ja, wir können Gott auch als gerade nicht da erleben.
Viele um uns herum denken ja, Gott ist weg – und das ist auch ganz gut so.
Jetzt kommt das Problem: welche Wahrheit ist dran? Welcher Prophet hat Recht? Die Schreiber des Alten Testaments machten es sich einfach: sie warteten, welche Weissagungen in Erfüllung gingen. Ein Prophet, der sagte, was eintraf, war ein wahrer Prophet, die anderen waren Lügner. — Wir heute haben es da leider schwerer. Denn wir stehen wie Jeremia mitten in den vielen Aussagen der Leute, die von Gott und von der Zukunft reden. — Es nützt uns leider auch nichts, wenn wir wie Jeremia gegen Träume wüten. Ich lese mal vor: Der Herr sagt: »Ich habe das Gefasel dieser Propheten gehört. ›Ich hatte einen Traum, ich hatte einen Traum!‹, sagen sie und wollen damit das Volk glauben machen, dass sie in meinem Auftrag reden. Aber alles, was sie vorbringen, ist Lug und Trug.  Wie lange soll das noch so weitergehen? Was haben diese Propheten damit im Sinn, dass sie Lügen verbreiten, ihre eigenen Hirngespinste?  Mit ihren Träumen, mit denen einer vor dem andern großtut, verfolgen sie nur ein Ziel: Mein Volk soll mich vergessen, genauso wie ihre Vorfahren mich vergaßen und sich dem Götzen Baal zuwandten!  Der Prophet, der einen Traum hatte, kann auch nur seinen Traum erzählen; aber der, zu dem ich gesprochen habe, der wird zuverlässig mein Wort ausrichten. Man wird doch noch Weizen und Spreu unterscheiden können«, sagt der Herr. »Mein Wort brennt wie Feuer. Es ist wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt!“
Hätte Paulus nicht seinen Traum vom Mann aus Mazedonien gehabt, wären wir alle noch ohne Jesus Christus. Der Wachtraum von Petrus über das Tuch voller unreiner Tiere, von denen er essen sollte, weil sie vor Gott rein sind, hat bewirkt, dass wir heute hier so viele schöne Speisen genießen können.
Es gibt also viele Arten, auf denen uns Gott berührt und zu uns spricht. Da stehen wirPortrait of John Wesley 1703 - 1791 founder of Methodism alle miteinander zwischen von Gott gefunden sein und nach Gott suchen. John Wesley denkt an einige Verse in den Briefen des Neuen Testaments und gibt eine Möglichkeit zu unterscheiden, mit der ich etwas anfangen kann. Er schreibt (1772): »Um zu erkennen, ob Leute, die im Namen Gottes auftreten, falsche oder wahre Propheten sind, braucht man nur zu fragen: Welche Früchte bringt ihre Lehre bei ihnen selbst hervor? Welche Wirkung hat sie auf ihr Leben? Welchen Einfluss hat ihre Lehre auf ihr Herz? Zeigt ihr gesamter Lebenswandel, dass sie eine heilige, himmlische und göttliche Einstellung haben, dass sie die Gesinnung Jesu Christi in sich tragen? Zeigt ihr Lebenswandel, dass sie demütig, bescheiden und geduldig sind, Gott und Menschen lieben und fleißig sind, gute Werke zu tun? Ferner braucht man nur zu fragen: Welche Früchte bringt ihre Lehre bei ihren Hörern hervor? Und wenn schon nicht bei allen Hörern, so doch bei vielen, denn selbst die Apostel haben nicht alle ihre Hörer bekehrt. Haben sie die Gesinnung Christi angenommen? Leben sie nach seinem Vorbild? Haben sie damit begonnen, weil sie diese Männer hörten?«
Jeremiah betrauert die Zerstörung Jerusales_by_RepinJeremia war oft allein; er hat sehr unter dem Feuer des Wortes Gottes gelitten, weil er seine Volksgenossen liebte. Oft hat er über diese Last geklagt und doch durchgehalten, bis er Jahre nach der Zerstörung Jerusalems nach Ägypten verschleppt wurde und dort starb.
Obwohl wir von dem Neuanfang mit Gott durch Jesus Christus reden dürfen, müssen wir gucken, wo Gottes Liebe noch nicht zu Ziel gekommen ist. Gerade in einem wunderschönen Sommer müssen wir die Früchte pflegen, die Gottes Liebe in unserem Leben bringen will. Sonst trocknen sie aus, weil wir es uns zu gut gehen lassen. Gottes Wege bleiben unbequem, weil Gottes Liebe uns und unsere Mitmenschen und Mitgeschöpfe immer neu erreichen will. Amen.

Pastorin Regina Waack

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