Gottes Gnade verändert Menschen und Gesellschaft

Erntedank 2018 (10)Neben dem Gottesdienst zählen das Abendmahl, die Beschäftigung mit Gottes Wort, das persönliche und gemeinsame Gebet und das Fasten zu den „Gnadenmitteln“ in der Ev.-methodistischen Kirche. In den Gnadenmitteln teilt der dreieinige Gott seine Gnade auf eine dreifache Weise mit, nämlich als zuvorkommende, rechtfertigende und heiligende Gnade. Was heißt das?

John Wesley sah den Menschen wegen der Sünde nicht in der Lage, von sich aus zu GottPortrait of John Wesley 1703 - 1791 founder of Methodism zu finden. Wesley war allerdings davon überzeugt, dass Gottes Geist in seinen Geschöpfen mit seiner zuvorkommenden Gnade immer schon am Werk ist – auch bei denen, die noch nicht an Gott glauben. Mit Hilfe des Gewissens und der Sehnsucht nach Sinn, Erfüllung und Heil treibt also der Heilige Geist den Menschen hin zu Gott.

Wie die Reformatoren predigte John Wesley die Rechtfertigung des Menschen allein aus Gnade und Glauben. Durch die rechtfertigende Gnade befreit Gott den Menschen. Dabei ist der Glaube an Gott und sein Heil in Jesus Christus nicht als menschliche Leistung zu verstehen, sondern ganz als göttliches Geschenk. Christus tat am Kreuz nicht nur etwas für den Menschen, so dass Gott ihn deshalb als Gerechten ansieht, sondern er tut im Heiligen Geist auch etwas im Menschen. Er befreit von Schuld und von der Macht der Sünde und er schenkt Gewissheit des Heils.

Erntedank 2018 (13)Schließlich vermittelt Gott durch seinen Geist nach dem Verständnis John Wesleys auch die heiligende Gnade: Sie prägt Menschen, die Jesu Christus nachfolgen, nach seinem Bild und führt sie zu einem Leben im Dienst Gottes und des Nächsten. Auch die Heiligung geschieht allein aus Gnade und Glauben und ist kein Verdienst des Menschen. Aber sie nimmt den ganzen Menschen mit Herzen, Mund und Händen in Dienst. Für John Wesley wirkt der Geist Gottes so, dass einzelne Menschen verändert werden, aber auch eine Gemeinschaft kann von ihm geprägt werden und die Gesellschaft als Ganzes.

Gottes Gnade wirkt dreifach. So verstehen sich methodistische Gemeinden als »Gemeinschaft von Suchenden und Glaubenden«. Auch bei Suchenden ist Gott mit seiner bread-wine-425x300zuvorkommenden Gnade am Werk. Das zeigt sich zum Beispiel im sogenannten »Offenen Abendmahl«. Zum Abendmahl sind in der Evangelisch-methodistischen Kirche alle (!) Menschen eingeladen. Ausschlaggebend ist das Verlangen des Menschen, im Abendmahl der Gnade und Liebe Gottes zu begegnen. Diese unter den Freikirchen unübliche Offenheit bei der Zulassung zum Abendmahl ist in John Wesleys dreifachem Gnadenverständnis begründet. Ein Zitat aus der von Walter Klaiber und Manfred Marquardt geschriebenen methodistischen Dogmatik »Gelebte Gnade« bringt es auf den Punkt: Das Verständnis vom »Offenen Abendmahl« bedeutet, »dass Gottes Geist … Menschen durch die Lord's_cup_and_BreadTeilnahme an der Abendmahlsfeier sowohl zum Glauben führen als auch im Glauben und in der Gewissheit festigen (kann); er kann sie zur Hingabe an Christus und an ihre Mitmenschen sowie zur Verantwortung in allen Bereichen ihres Lebens erneuern«.

Holger Eschmann lehrt an der Theologischen Hochschule Reutlingen praktische Theologie. (Artikel aus dem EmK –Magzin „Unterwegs“ 14/2018 gekürzt v. Regina Waack)

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