Archiv der Kategorie: Gedanken

Monatsspruch Dezember

Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.

Mt 2,10

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Resilienz – die seelische Widerstandskraft

Resilienz aktivieren und stärken

1. SICH ZEIT NEHMEN Seelische Widerstandskraft springt nicht auf Kommando an, um Unangenehmes aus dem Weg zu räumen. Sie meldet sich mit der Zeit.

2. ZURÜCKSCHAUEN AUF BEWÄLTIGTE SITUATIONEN Kein Mensch geht vollkommen ohne seelische Widerstandskraft durch das Leben. Wer auf das eigene Leben zurückschaut, wird viele Situationen entdecken, die bewältigt wurden: Auseinandersetzungen mit Spielkameraden, Enttäuschungen im Freundeskreis, Krisen im Beruf, Krankheiten, der Verlust von Körperkraft, das Abgeben wichtiger Aufgaben … Die Reihe lässt sich fortsetzen. Überwundene Schwierigkeiten erscheinen meistens kleiner als die Probleme, in denen man gerade steckt. Dennoch stärkt der Blick auf die Lebenserfahrung das Vertrauen darauf, dass das Leben wieder Gutes bereithalten wird.

3. SICH VERABSCHIEDEN VON DER IDEE »WER ALLES RICHTIG MACHT, WIRD VON LEID VERSCHONT« Wenn Unwägbarkeiten einem anderen Menschen Verlust oder Leid zufügen, dann erschrecken wir und versuchen etwas zu entdecken, was dieser Mensch falsch gemacht haben könnte. Wir bilden uns ein, wenn wir diesen Fehler vermeiden, wird uns auch das Leid nicht treffen. Das kann manchmal stimmen. Aber seit Menschengedenken gehört Leid zum Leben. Es ist unrealistisch zu glauben, jede Krise sei vermeidbar und damit selbst verschuldet, wenn sie doch eintritt.

4. VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN Von resilienten Menschen kann man lernen, dass sie auch in tiefen Krisen zu akzeptieren versuchen, was sie nicht beeinflussen können. Daneben aber fragen sie: »Was kann ich tun, was will ich probieren, um diese Situation zu meistern?«

5. BEZIEHUNGEN PFLEGEN UND HILFE ANNEHMEN Menschen, die ihre Beziehungen in der Nachbarschaft, der Gemeinde, in der Familie pflegen, können besser mit Schicksalsschlägen umgehen. In diesem Netzwerk suchen und finden sie erfahrene Gesprächspartner und praktische Hilfe.

6. RESILIENZ WIRD BEIM TEILEN GRÖSSER Es lohnt sich, sich auszutauschen. Die Erfahrungen anderer Menschen können meinen Vorrat an Ideen dafür auffüllen, wie ich Unwägbarkeiten begegnen werde. Meine Erfahrungen können anregende Hinweise für Andere werden.

Resilienz – die seelische Widerstandskraft – ist ein Geschenk, das allen mit gegeben ist. Das Vertrauen auf diese Tatsche hilft uns,mutig und hoffnungsvoll auf die Zukunft zuzugehen.

Dipl.-Psych. Christine Reinert, München (aus„Horizonte“ 2017)

Friedensfühler 2018

ACK Logo

Ein Treffen von Menschen unserer Stadt

am Montag, dem 26.11.18

Manche Menschen meinen, die Religionen seien schuld an Krieg, Terror und Gewalt. Da ist es umso wichtiger, dass wir ein Zeichen des friedlichen Zusammenlebens in unserem Stadtteil setzen:

Christen und Christinnen aus der deutschen und dänischen Kirche, Juden und Jüdinnen aus aller Welt, Muslime und Menschen aller Glaubensrichtungen treffen sich in diesem Jahr wieder zum Friedensfühler.

17.00 Uhr:   Wir beginnen mit dem christlichen Gebet in der Petri-Kirche, Neustadt.

17.40 Uhr:     Moschee „Moderner Islamischer Kulturverein“, Harrisleer Straße 3

18.45 Uhr:    Suppe + Plaudern im Gemeindehaus Ansgar-Kirke, Apenraderstraße 25.

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Gottesdienst zur Ökumenischen Friedensdekade

am Sonntag, dem 18.11.18,

ÖkumenischeFriedensdekade_PlakatKrieg3.0_MichaelaGruchot_1 (1)Die Ökumenische FriedensDekade weist in diesem Jahr auf die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung von Kriegswaffen hin. Ziel muss eine internationale Ächtung automatischer Waffensysteme, wie z.B. Killerroboter, sein. Mit ihnen würde – nach der Erfindung des Schießpulvers und der Atomwaffen – die dritte Revolution der Kriegsführung beginnen. „Unsere“ Antworten auf einen „Krieg 3.0“ müssen auch „Frieden 3.0“ sein! Gewaltfreie Methoden der Konfliktbearbeitung sollen durch zivile Friedens- und Entwicklungsdienste für die Wiederherstellung, Bewahrung und Förderung eines nachhaltigen Friedens genutzt werden, nach dem Grundsatz: „Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten.“ Der Vorrang für Gewaltfreiheit muss eingefordert, gefördert und umgesetzt werden!

Monatsspruch November

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

Offb 21,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

GrenzenDesVerstandes_Paul_Klee_Muenchen_1927wie können Häuser aus dem Himmel kommen? Wie können Häuser wie Menschen sein? Das Buch der Offenbarung, das letzte in der Bibel, ist voller seltsamer Bilder. Manche übersteigen die Grenzen unseres Verstandes wie auch dies Bild von Paul Klee. Viele düstere Bilder gibt es am Ende der Bibel; sie warnen vor Gewalt und Not. Am Ende des Jahres verdüstern die Ängste davor die Lust am Leben. Doch dann wachsen aus Schrecken zarte Bilder der Hoffnung. Ich denke an die Frau, die vor dem Drachen flieht und einen Sohn bekommt, der am sichersten Ort der Welt, an Gottes Thron, aufwächst. Von diesem Kind wird erwartet, dass es „mit eisernem Stab“- also mit Gewalt? – Frieden und Recht durchsetzt. Aber Jesus setzt lieber auf Liebe und Geduld, damit alle sich einigen und an gerechtem Frieden freuen können. Auf diese Morgendämmerung der Vernunft und Sonne der Gerechtigkeit hoffe und warte ich, auch wenn sie vielleicht noch so dunkel ist wie auf diesem Bild.

Eine gesegnete Warte- und Weihnachtszeit wünscht Eure/Ihre Pastorin

Regina Waack

Gottes Gnade verändert Menschen und Gesellschaft

Erntedank 2018 (10)Neben dem Gottesdienst zählen das Abendmahl, die Beschäftigung mit Gottes Wort, das persönliche und gemeinsame Gebet und das Fasten zu den „Gnadenmitteln“ in der Ev.-methodistischen Kirche. In den Gnadenmitteln teilt der dreieinige Gott seine Gnade auf eine dreifache Weise mit, nämlich als zuvorkommende, rechtfertigende und heiligende Gnade. Was heißt das?

John Wesley sah den Menschen wegen der Sünde nicht in der Lage, von sich aus zu GottPortrait of John Wesley 1703 - 1791 founder of Methodism zu finden. Wesley war allerdings davon überzeugt, dass Gottes Geist in seinen Geschöpfen mit seiner zuvorkommenden Gnade immer schon am Werk ist – auch bei denen, die noch nicht an Gott glauben. Mit Hilfe des Gewissens und der Sehnsucht nach Sinn, Erfüllung und Heil treibt also der Heilige Geist den Menschen hin zu Gott.

Wie die Reformatoren predigte John Wesley die Rechtfertigung des Menschen allein aus Gnade und Glauben. Durch die rechtfertigende Gnade befreit Gott den Menschen. Dabei ist der Glaube an Gott und sein Heil in Jesus Christus nicht als menschliche Leistung zu verstehen, sondern ganz als göttliches Geschenk. Christus tat am Kreuz nicht nur etwas für den Menschen, so dass Gott ihn deshalb als Gerechten ansieht, sondern er tut im Heiligen Geist auch etwas im Menschen. Er befreit von Schuld und von der Macht der Sünde und er schenkt Gewissheit des Heils.

Erntedank 2018 (13)Schließlich vermittelt Gott durch seinen Geist nach dem Verständnis John Wesleys auch die heiligende Gnade: Sie prägt Menschen, die Jesu Christus nachfolgen, nach seinem Bild und führt sie zu einem Leben im Dienst Gottes und des Nächsten. Auch die Heiligung geschieht allein aus Gnade und Glauben und ist kein Verdienst des Menschen. Aber sie nimmt den ganzen Menschen mit Herzen, Mund und Händen in Dienst. Für John Wesley wirkt der Geist Gottes so, dass einzelne Menschen verändert werden, aber auch eine Gemeinschaft kann von ihm geprägt werden und die Gesellschaft als Ganzes.

Gottes Gnade wirkt dreifach. So verstehen sich methodistische Gemeinden als »Gemeinschaft von Suchenden und Glaubenden«. Auch bei Suchenden ist Gott mit seiner bread-wine-425x300zuvorkommenden Gnade am Werk. Das zeigt sich zum Beispiel im sogenannten »Offenen Abendmahl«. Zum Abendmahl sind in der Evangelisch-methodistischen Kirche alle (!) Menschen eingeladen. Ausschlaggebend ist das Verlangen des Menschen, im Abendmahl der Gnade und Liebe Gottes zu begegnen. Diese unter den Freikirchen unübliche Offenheit bei der Zulassung zum Abendmahl ist in John Wesleys dreifachem Gnadenverständnis begründet. Ein Zitat aus der von Walter Klaiber und Manfred Marquardt geschriebenen methodistischen Dogmatik »Gelebte Gnade« bringt es auf den Punkt: Das Verständnis vom »Offenen Abendmahl« bedeutet, »dass Gottes Geist … Menschen durch die Lord's_cup_and_BreadTeilnahme an der Abendmahlsfeier sowohl zum Glauben führen als auch im Glauben und in der Gewissheit festigen (kann); er kann sie zur Hingabe an Christus und an ihre Mitmenschen sowie zur Verantwortung in allen Bereichen ihres Lebens erneuern«.

Holger Eschmann lehrt an der Theologischen Hochschule Reutlingen praktische Theologie. (Artikel aus dem EmK –Magzin „Unterwegs“ 14/2018 gekürzt v. Regina Waack)

Predigt zum Tag der Schöpfung

02. September 2018

Ihr Lieben,

Gestern hat die ACK Deutschland den Tag der Schöpfung gefeiert und lädt uns ein, diesen Tag nachzufeiern. Zwar ist das nahe an Erntedank, aber da ist doch ein Unterschied. Der Tag der Schöpfung ist nicht auf uns ausgerichtet, auch wenn er uns nützen kann.

Eine heile Schöpfung ist nämlich mehr als eine gute Ernte, eine heile Schöpfung ist Grundlage für ein gutes Miteinander von Menschen, und von Menschen und ihren Mitgeschöpfen. Deshalb hat die ACK Deutschland wohl auch den Tag der Schöpfung auf den Tag gelegt, mit dem der Zweite Weltkrieg angefangen hat. Gestern Mittag um 12.00 Uhr haben viele in einer Schweigeminute daran gedacht. Eine heile Schöpfung kann ein Gegengewicht zu Krieg sein.

Misereor Hungertuch 1982Das zeigt auch dies Bild, das ich Euch heute mitgebracht habe. Es ist ein „Hungertuch“, ein Fastentuch, das in der katholischen Kirche vor Ostern vor den Altar gehängt wird und uns an die Not in der Welt und unsere Verantwortung erinnert.

In der Mitte dieses Tuchs seht Ihr einen Baum voller verschiedener Früchte. Da sind Äpfel, Mango, Papaya, Ananas, Mandarinen, Datteln, Brotfrucht, Kakao. Vielleicht kennen Eure Kinder diese Früchte nicht mehr, denn die Vielfalt von Insekten, Vögeln und Pflanzen ist drastisch zurückgegangen.

Außerdem habe ich   in der Vorbereitung gelernt, dass wir Menschen gar nicht so einzigartig in Gottes Schöpfung sind: wir haben keinen eigenen Tag eingeräumt bekommen. Wir teilen uns den „sechsten Tag“ mit den kriechenden Tieren dieser Welt (Gen 1,24 – 26). So sind wir auch Teil der Früchte dieses Baumes, an dem der Gottmensch Jesus Christus hängt, oder auch Teil der Tiere, neben denen er links auf dem Bild steht. Wir sind auch Teil des Paradieses oben auf dem Bild. Wenn sich alle Menschen an die Zehn Gebote halten würden, dann könnte da eine fröhliche Gemeinschaft sein wie rechts oben auf dem Bild.

Oder es könnte sein, wie wir es eben aus dem Buch des Propheten Jesaja gehört haben: Wenn aber der Geist aus der Höhe über uns ausgegossen wird, dann wird die Wüste zum Garten und der Garten wird zu einem Wald. In der Wüste wohnt das Recht, die Gerechtigkeit weilt in den Gärten.   Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein, der Ertrag der Gerechtigkeit sind Ruhe und Sicherheit für immer.

Wir hier in Deutschland haben sehr viel Wald für unser mittelkleines Land verglichen mit anderen Ländern in Europa. Wir sind auch stolz auf unsere Gärten. Wir haben eigentlich genug Früchte, die wir essen können.

Trotzdem fühlen sich einige nicht sicher und in Frieden, weil Menschen aus anderen Misereor Hungertuch 1982Ländern unseren Wohlstand mit uns teilen wollen. Diese Menschen haben oft einiges von dem erlebt, was unten auf diesem Hungertuch dargestellt ist: Unterdrückung und Gewalt im eigenen Land, Not in Booten auf dem Meer, Zäune und Mauern um die Länder, in denen sie Zuflucht suchen.

Menschen, die ihren eigenen Gewinn suchen wie die Händler im Tempel auf dem Bild Mitte rechts, beuten andere aus wie auf dem Bild   Mitte links.

Christus ist mittendrin in all diesem. Christus leidet unten mit den Menschen unter der Folter der Soldaten oder im Boot. Wir wollen mit Christus gehen, doch so leiden wir hier nicht.

Eher passt es zu uns, wie Christus in der Mitte links und rechts auf das Paradies oben hinweist und sich dabei mit den Menschen anlegt, die nur an ihren kurzfristigen Vorteil denken. Ja, Jesus Christus riskierte viel – bis hin zur Gerichtsverhandlung und zum Todesurteil. Soviel brauchen wir meist in unserem Land nicht zu riskieren, wenn wir Zivilcourage zeigen, auf einen besseren Umgang mit unseren Mitgeschöpfen dringen und die Früchte unseres Landes mit allen teilen.

Seit Jesus Christus gestorben und auferstanden ist, ist der Zugang zum Paradies oben für uns alle wieder offen. Wir können zu einer Art Zehn Gebote für die Welt kommen, an die sich alle halten. Als einen ersten Schritt haben die meisten Länder der Erde die Charta für Menschenrechte unterschrieben. Viele haben sich auch in Paris zur Bewahrung unseres Klimas und damit zur Bewahrung der Schöpfung verpflichtet. Jetzt müssen wir weitergehen, damit wir zu einer Gemeinschaft kommen, wo alle mit den Früchten unserer Erde gemeinsam ein Fest feiern. Noch gibt es genug, es ist nur ungerecht verteilt.

Leider passiert manchmal, was Jesaja so beschreibt: Aber der Wald stürzt in jähem Sturz, die Stadt versinkt in der Tiefe.

Auch in diesem Sommer haben wir von „Land unter“ gehört und gesehen oder auch Nachrichten von verheerenden Waldbränden bekommen. Sehr oft sind mittelbar oder unmittelbar Menschen mit ihren Rücksichtlosigkeiten gegen die Natur verantwortlich für diese Katastrophen.

Aber immer noch sind wir in Europa gesegnet, wie Jesaja schreibt: Wohl euch! Ihr könnt an allen Gewässern säen und eure Rinder und Esel frei laufen lassen.

Unsere Landwirtschaft kann immer noch neu anfangen, ohne sich vor einem Krieg fürchten zu müssen. Das war ja vor 70 Jahren in Polen für die Land-wirte anders, denn sie mussten mit den Verwüstungen durch Panzer auf ihren Äckern leben. Bis heute hören wir davon schlimme Geschichten. Einige hier sind immer noch dadurch gezeichnet.

Gute Natur und Frieden gehören zusammen. GottseiDank haben wir heute hier wieder beides! Lasst uns darauf aufpassen, damit wir uns lange mit anderen daran freuen können. Amen.

Misereor Hungertuch 1982

 

 

Monatsspruch September

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er

die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht

ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Pred 3,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

bild septDiese Ruine fanden wir an einer alten Handelsstraße, die heute nur noch ein Wirtschaftsweg ist. Irgendwie schön, wie diese Erinnerung an alte Größe aus dem ewigen Zugriff der Natur freigelegt wurde! Nach diesem heißen Sommer fürchten sich viele Landwirte vor dem Ruin. Auch unsere Gemeinde fürchtet oft, dass nur Erinnerungen von ihr bleiben könnten. Wir alle wissen nicht, was von der Ernte unseres Lebens bleibt. Aber Gott weiß es. Gott kann etwas Schönes aus dem machen, was von uns bleibt, wenn wir selbst längst nur Erinnerungen sind. Darum bin ich froh über alles, was ich diesen Sommer und in meinem Leben erfahren habe, und vertraue es Gott an.

Eine gelassene und gesegnete (Lebens-)Ernte wünscht Eure/Ihre Pastorin

Regina Waack