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„Love first“ – Zu lieben sind wir da

Themapredigt mit Bezug zu 1. Johannes 4,7-21

von Superintendentin Irene Kraft

(„Love first“ – Zu lieben sind wir da* deutscher Titel des Buches „Our Purpose is Love“ von David Field)

1. You only had one job

„Memes“ sind lustige Fotos oder kurze Videos zu unterschiedlichsten Themen, die im Internet auf Youtube oder in sozialen Netzwerken kursieren. Eine große Sammlung unterschiedlicher Bilder und Filmchen gibt es zu dem Stichwort: „You only had one job!“

Für  mich lässt sich der „eine Job“, den wir als Christen haben in ein Wort fassen: LIEBE.

In 1. Johannes 4, 7-21 beschreibt ausführlich, wie zentral die Liebe für unser Leben als Christen ist:
– Gott ist Liebe (V8)
– Aus Liebe hat Gott seinen Sohn gesandt und hingegeben (V9f) Wir kommen von Karfreitag und Ostern her. Durch das Kreuz hat Gott uns gezeigt, wie unendlich groß und seine Liebe ist. Sie ist so stark, dass sie Hass, Schuld und Tod überwindet.

– Gott zu lieben und unsere Mitmenschen zu lieben gehört untrennbar zusammen (V11). Jesus hat auf Nachfrage einmal erklärt: das höchste und wichtigste Gebot, in dem alle anderen Gebote zusammengefasst sind, ist dieses: Gott lieben und den Nächsten lieben (Mk. 12,31f)

Manche wenden dagegen gerne ein:
– Liebe ist harmlos: der „liebe Gott“ ist der Rauschebartgott auf der Wolke; man muss doch auch noch anders vor Gott reden.
– mit Liebe allein kommt man in unserer Welt nicht weit – schon gar nicht in der Auseinandersetzung mit  anderen Meinungen oder Menschen mit ganz anderen Hintergründen

Ich finde, die Liebe, von der in der Bibel die Rede ist, alles andere als harmlos! Gottes Liebe ist radikal. Jesus hat sie vorgelebt:
– sie ist ganzheitlich, betrifft den ganzen Menschen: Jesus hat Menschen geheilt, er hat sie von Bindungen befreit, er hat sie aus dem gesellschaftlichen Abseits geholt, er hat Schuld vergeben, er hat ihnen neue Lebensperspektiven eröffnet.
– sie gilt nicht nur Freunden und Gleichgesinnten, sondern auch Kritikern, Skeptikern, sogar Gegnern und Feinden. Jesus hat nicht nur Freunde um sich gesammelt, die so waren wie er, sondern die unterschiedlichsten Typen in seinen Jüngerkreis geholt. Er hat dazu aufgefordert, selbst die Feinde zu lieben und hat das bis zum Kreuz vorgelebt („Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“).
– In seiner Liebe war Jesus selbstlos und uneigennützig und konsequent bis ins Letzte. Er hat trotz aller Anfeindungen und Verletzungen sich nicht zu Gewalt und Hass hinreißen lassen, sondern hat bis zum bitteren Ende am Kreuz um Versöhnung, um Miteinander gerungen und an Gottes Liebe festgehalten.

„Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Joh. 14,9): So leidenschaftlich ist Gott in seiner Liebe für die Welt und für uns. Er gibt nicht auf.

Bis heute hat er nicht aufgegeben, obwohl wir immer noch in einer Welt leben, in der Konflikte, Hass, Missbrauch und Ausgrenzung Alltag sind. Wir erleben, wie rau der Ton geworden ist, teilweise auch unter Christen:

–  Der Slogan aus dem  Wahlkampf von US-Präsident Trump „America first“ hat viel Resonanz gefunden auch in anderen Ländern.
– Unterstellungen, Ressentiments, Verunglimpfungen sind mittlerweile an der Tagesordnung. Jahrzehntelang als selbstverständlich betrachtete Errungenschaften von Demokratie und Grundformen von Höflichkeit und Fairness scheinen immer mehr ausgehebelt zu werden.
– Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt werden an vielen Stellen nicht mehr geachtet, sondern bekämpft, sei es in den Flüchtlingsdebatten in unserer Gesellschaft oder leider auch in der Debatte um den Umgang mit Homosexualität in unserer Kirche.

2. Methodistische Identität: Liebe

Für unseren Kirchenvater John Wesley war die Liebe das absolute Herzstück alles Denkens über und Redens von Gott. Die Liebe ist sozusagen der Filter, durch den alle Aussagen der Bibel laufen müssen. John Wesley hatte das für sich sehr persönlich erfahren: Gottes Liebe geht allem voraus, sie ist unverdientes Geschenk, das er uns Menschen macht. Wir müssen und können sie uns nicht verdienen, sondern nur empfangen: Er sagt ja zu  mir; er nimmt mich an, er füllt die Leerstellen in mir.

Gottes Liebe anzunehmen und aufzunehmen bleibt nicht ohne Folgen, sondern verändert/transformiert mich. Ja, ich muss und kann mir Gottes Liebe nicht verdienen, aber sie hat den Anspruch und die Kraft, mich zu erfüllen, mein Leben zu durchdringen und zu verändern in der Nachfolge Jesu:
– Nicht mehr ich selbst und die Sorge um mein Wohlergehen sind der Nabel der Welt. Statt „unterm Strich zähl ich“ befreit mich Gottes Liebe dazu, die Welt um mich herum mit seinen Augen zu sehen und zu begreifen, dass es nicht nur um mich geht, sondern Gott seine gesamte Schöpfung und alle seine Geschöpfe ebenso leidenschaftlich liebt wie mich.
– Gottes Liebe kommt dann zu ihrem Ziel, wenn sie nicht nur in mein Leben hinein strahlt, sondern wenn ich sie reflektiere und weitergebe. Deshalb gehört Gott zu lieben und den Nächsten lieben so eng zusammen; das fängt ganz praktisch damit an
…wie ich über andere rede: abschätzig oder wertschätzend

… wie ich über andere urteile: pauschal oder nachdem ich ihre Position gehört und zu verstehen versucht habe.

… ob ich den einzelnen Menschen sehe oder nur das Klischee: Die Flüchtlinge, die Homosexuellen, die AFDler, die…
Und das geht weiter mit Fragen wie: Wo bin ich für andere da und investiere mich für sie – selbst wenn es meine Kraft, meine Zeit, mein Geld, meine Bequemlichkeit, meine vorgefassten Meinungen kostet?

Liebe ist dabei mehr als ein „Gefühl“ das ich haben kann oder auch nicht. Sie ist eine Grundhaltung und ein Grundwert, denen ich mich verschreibe.

Mit unserer eigenen Kraft, unserer eigenen Kraftanstrengung wären wir schnell ausgebrannt und am Ende. Menschen lieben, uns für sie engagieren und investieren, das gelingt nur, wenn wir selber immer wieder auftanken, Kraft schöpfen, uns Liebe schenken lassen. Dafür hat Gott uns geschenkt, was wir als Methodisten mit  „Gnadenmittel“ bezeichnen: Kanäle oder Gefäße, durch die seine Liebe zu uns kommt, wo wir in seiner Gegenwart aufatmen,  Vergewisserung finden, das Reservoir auffüllen können: z.B. im Gottesdienst, im Gebet, im Studium seines Wortes, durch Fasten oder dadurch, dass wir anderen Gutes tun. Und auch wenn es meines Wissens von Wesley nicht ausdrücklich als Gnadenmittel bezeichnet wurde, sind für mich persönlich Lieder und Singen eine wunderbare Möglichkeit, Gott zu begegnen und seine Gegenwart zu erleben.

4. „Love first“ – Zu lieben sind wir da

Zugegeben: Manchmal werde ich mutlos, angesichts all der Konflikte und Herausforderungen vor denen wir stehen in unserer Welt, un­serem Land, in unserer Kirche, unseren Gemeinden.  Aber ich will der Mutlosigkeit, dem Pessimismus, der Lieblosigkeit und Hoffnungslosigkeit nicht das Feld überlassen und auch nicht mein Herz, mein Denken und mein Reden! Ich will mich immer wieder erinnern und ermutigen lassen, dass Gottes Liebe mein und unser Leben erfüllen will und Gott uns braucht, damit seine Gegenwart sichtbar und erlebbar wird

„Love first“ – Lasst uns der Liebe den ersten Platz einräumen. Ich glaube, das wird sichtbar und erlebbar für andere,
….wo sie merken, dass wir an ihnen als Person echtes Interesse haben und zuhören, ohne sie in Schubladen zu stecken oder schnelle vorgefertigte Antworten zu geben
….wo sie erleben, dass wir unsere Sichtweisen nicht absolut setzen, sondern  mit einer gewissen Demut damit rechnen, dass wir falsch und der andere richtig liegen könnte.
… wo aus der Überzeugung, dass Gott mich uns andere gleichermaßen liebt Respekt für die Meinung des/der anderen wächst Gottes Liebe und die Liebe, die sie in uns erweckt, ist alles andere als harmlos und schwach:

– Sprengkraft steckt darin – denn es geht um andere Prioritäten als den eigenen Vorteil oder den Vorteil der eigenen Gruppe.
– Riskant ist sie, denn sie könnte ausgenutzt werden.
– Herausfordernd ist sie, denn wer liebt kann sich nicht mehr mit einfachen Schwarz/Weiß-Einteilungen und Richtig/Falsch-Antworten begnügen.
– Verheißungsvoll ist sie, denn sie trägt das Potenzial in sich, dass sie den Tod überwindet und bleibt, wenn alles andere vergeht.

Ich hoffe und bete, dass ich selbst und wir in unseren Gemeinden keine Lachnummer sind für andere, weil wir unseren einen Job so unzulänglich machen, sondern das Gegenteil: Mögen andere uns abspüren, was uns erfüllt und antreibt und mögen sie dadurch selbst neugierig und sehnsüchtig werden, Gottes Liebe zu begegnen und ihr in ihrem eigenen Leben Raum zu geben.

Zu lieben sind wir da! „You have only one Job“: Als von Gott geliebte Menschen Gott zu lieben und unsere Mitmenschen zu lieben.

Amen.


Predigt am Ostersonntag

Predigt über Johannes 20,1-18

Das leere Grab

1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.1 2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; 4 sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. 5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. 6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen 7 und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. 8 Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. 9 Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. 10 Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.

Die Erscheinung Jesu vor Maria von Magdala

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. 12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. 13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. 15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. 16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.2 17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. 18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Ihr Lieben,

„Was für ein Blödsinn!“ habe ich gedacht, als ich die Geschichte von den 5 Schritten zum ersten Mal gehört habe. Ich habe gelacht – dann fiel mir siedend heiß ein, dass ich diese Geschichte schon in vielen Versionen erlebt habe.

Meine Güte, wie schwer ist es doch, ein neues Leben zu begreifen, eine neue Möglichkeit zu wagen, aufzuerstehen!!

Woran liegt das?

Gucken wir uns doch Maria von Magdala an. Sie war eine von den Frauen, die immer mit Jesus gegangen waren, sie hatte ihm seit ihrer Heilung immer zugehört, auch als er von seiner Auferstehung sprach. Aber als sie dann das leere Grab sieht, was macht sie? Sie rennt zu den Männern um Jesus zurück und sagt: Sie haben den Herrn aus dem Grab genommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben! – Panik, na toll! Wo hat sie denn ihren Kopf? Ja, ihren Kopf hat sie noch bei der Szene, wo sie Jesus ins Grab gelegt haben – mit allen seinen Wunden eingewickelt in saubere Tücher. Da ist ihr Kopf – und ihr Gefühl, da sind die Informationen, die sie abruft.

Das geht uns doch genauso:

Wir haben im Laufe unseres Lebens viele Informationen aufgenommen – doch welche davon haben wir sofort parat? Also mein Französisch ist völlig vorbei, obwohl ich ein Jahr in Frankreich studiert habe, mein aktives Englisch wird auch immer schwerfälliger, denn das Jahr in Chicago ist auch schon 19 Jahre her. Dafür kann ich jetzt etwas zu Bautrocknern sagen oder zu Kühlschränken oder zu Putzmitteln.

Maria von Magdala hat in der Fülle der Eindrücke, die Jesus ihr hinterlassen hat, einfach keinen Zugang zu den Informationen über Auferstehung; sie sieht die Straße nicht, sie fällt ins Loch. Ach Sünde!! Nun denn, die Männer um Jesus sind dran: sie laufen um die Wette zum Grab. Es fällt ihnen sogar auf, dass Jesus wohl ausgewickelt wurde, denn die Tücher sind noch da. Eines der Tücher ist sogar ordentlich gefaltet, da hat wohl jemand die Ruhe dazu gehabt, das fällt ihnen alles auf. Aber das verwundert sie nur. Auch diese beiden besonders mit Jesus verbundenen Jünger ziehen keine Verbindung zu Jesu Reden von seinem Tod und seiner Auferstehung. Zumindest äußern sie nichts darüber. – Obwohl es in ihnen eine Erinnerung gibt und sie sich wundern, fallen sie in das Loch.

Im Protokoll der letzten Sitzung der Gemeindeleitung steht: „Der Kollaps im Badezimmer ist nun eingetreten. Das Wasser steht in der Decke und tropft in die unteren Räume. Michael Schleif wird … erste Maßnahmen zur Stillung des Schadens durchführen.“ Alle Beteiligten hatten schon vor Jahren gewusst, dass das kommen könnte.

Irgendetwas in uns sträubt sich, wenn wir uns ändern müssten. Irgendwie hoffen wir wohl immer, wir könnten mit dem, was wir jetzt können, unser Leben lang auskommen. Das ist jetzt gut genug und wird wohl auch weiter gut genug sein. Ach Sünde!!

Gucken wir uns doch genau um: selbst die Blüten, die jetzt blühen, und die Blätter, die jetzt kommen, das sind andere Blüten und andere Blätter als letztes Jahr, denn die alten Blüten und Blätter sind ja vergangen. Neue Blüten und Blätter sind es!

Tja, wie wird dann Auferstehung wahr?

Maria von Magdala wagt es, Fragen zu beantworten und Fragen zu stellen. Fragen sagen immer, es reicht mir nicht mehr, mich nur zu wundern. Ich beschäftige mich mit Fragen, weil ich eine Änderung suche.

Manche Menschen tun das erst, wenn sie das Dasein im Loch unerträglich quält, wenn sie merken, dass sie in einer absoluten Sackgasse sind. – Andere Menschen fragen, weil sie von Umständen verlockt sind. – Wieder andere lassen sich von der Liebe und den Lieben dazu verleiten.

Fragen heißt ja auch, ich gucke in eine andere Richtung als vorher oder ich suche an Plätzen, die ich früher für unlogisch hielt. Denn wenn ich beim Fragen die Antwort schon weiß, brauche ich ja nicht mehr zu fragen. Maria von Magdala macht sich auf den Weg zur Veränderung und sie erhält Antwort von dem, den sie vorher nur unter „Gärtner“ innerlich abgelegt hatte. Gewohnte Menschen können uns zu ungewohnten neuen Möglichkeiten geleiten, wenn wir sie ungewohnt sein lassen. Auch die gewohnten Menschen verändern sich ja – genau wie wir auch.

Maria hatte an Jesus festgehalten bis in den Tod, aber sie hat eben den Tod festgehalten, bis Jesus Christus selbst ihr die neue Gemeinschaft schenkte. Wie gut, dass Jesus Christus seine letzte Mahlzeit vor seinem Tod nach seinem Tod in neuer Umgebung, also in Emmaus oder am Seeufer, neu feierte und seine Freunde aufforderte, dieses Abendmahl immer wieder bis heute neu zu feiern.

In dieser Mahlzeit hat Jesus sich uns allen selbst geschenkt in dem Brot und dem Becher, die auf dem Tisch waren. „Nehmt und esst, das ist mein Leib für euch“ und „Nehmt und trinkt, das ist der neue Bund in meinem Blut.“ „Zur Vergebung der Sünden“ hat Jesus gesagt, weggegeben – vergeben wird die alte Angst vor Veränderung, vergeben – weggegeben die falsche Zufriedenheit mit dem, worin wir gefangen sind, vergeben – weggeben alles, was uns wie ein Sund von Gottes Erneuerung trennt.

Gegeben wird uns Leben durch den Tod hindurch, wir schmecken andere Maßstäbe für Lebensqualität, wenn wir Jesus Christus, Gott selbst, in dem kleinen Bissen und dem kleinen Schluck zu uns nehmen. Und wir fangen mit dem Frieden für die Welt an, wenn wir einander halten, ohne uns festzuhalten.

Das sind Zeichen der Auferstehung. Lasst uns kommen und schmecken und glauben: neues Leben ist möglich, Jesus ist auferstanden, wir stehen mit ihm neu auf,

Halleluja!

Pastorin Regina Waack

Bundeserneuerung 2019

Ansprache über Matthäus 3, 13-17

Ihr Lieben,

Es gibt einen Unterschied zwischen Taten und Zeichenhandlungen. Taten sind immer auch Zeichenhandlungen, denn sie zeigen, dass sich die Welt verändert, wenn die Tat getan ist.

Wenn ich z. B. mich wasche, dann zeige ich an, dass ich selber sauber werde oder auch rein sein möchte. Es gibt ja eine äußere Sauberkeit und eine innere Reinheit. Die äußere Sauberkeit kann ich waschen und dann sehen sie alle. Die innere Reinheit des Herzens und des Willens, die erreiche ich einigermaßen durch Beten und Üben, aber wie zeige ich sie an?

Da kommt die Zeichenhandlung ins Spiel. Mit einer Zeichenhandlung kann ich Taten anzeigen, die man nicht sehen kann.

Nehmen wir zum Beispiel die Taufe: da sehen wir nur ein Kreuz auf der Stirn und drei Hände voll Wasser, oder manchmal drei Mal total nass. Also äußerlich sauber werden die Leute davon nicht. Aber von der inneren Reinheit wird eine Menge angezeigt:

Zum einen wird angezeigt, dass die Täuflinge innerlich rein sein wollen und rein sein sollen;

Zum zweiten wird angezeigt, dass Gott die Täuflinge innerlich rein machen will.

Zum dritten wird angezeigt, dass Gottes Reinwaschen die Beziehung klärt, weil wir nun von unserem Papa gewaschen wurden – so wie sich vielleicht manche erinnern, dass ihre Väter sie in die Wanne gesteckt oder mit dem Gartenschlauch abgespritzt haben.

Das alles steckt in dieser Zeichenhandlung, die wir in Not alle selber machen dürfen, und die ich wegen meines Amts so oft machen darf.

Zeichenhandlungen sind also fast noch wichtiger als Taten, auch wenn sie auf den ersten Blick von außen betrachtet nicht viel bringen. Darum mögen wir Menschen auch gerne Zeichenhandlungen wie einen Segen oder einen Gruß möglichst mit einem Lächeln. Darum mögen auch Politiker und Presseleute Zeichenhandlungen wie einen Besuch oder eine Konferenz oder ein spezielles Gedenken. Total gerne wird ein Eintrag in ein Buch oder ein Händeschütteln oder das Legen einer Kranzschleife fotografiert.

Um eine Zeichenhandlung geht es uns heute in dieser Feier zur Erneuerung unseres Bundes mit Gott; um eine Zeichenhandlung ging es, als Jesus getauft wurde. Übrigens: viele Kirchen denken heute auch an Jesu Taufe.

Jesus kommt also an den Jordan, wo Johannes der Täufer tauft und stellt sich in die Reihe. Johannes weiß sofort, wer er ist; sie sind ja verwandt und beinahe gleich alt. Johannes sagt: »Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?«

Damit zeigt Johannes an, wie er die Taufe als Zeichenhandlung versteht: jemand, der reiner ist, wäscht die anderen oder macht sie nass, damit alle gleich rein werden. Also einer, der neu gestartet ist, ermöglich den anderen einen Neustart vor Gott. Besondere Menschen helfen anderen Menschen besonders zu werden.

Jesus antwortete: Zögere nicht, mich zu taufen! Das ist es, was wir jetzt tun müssen. So eröffnen wir den Weg, auf dem der Wille Gottes ohne Abstriche erfüllt wird.

Damit zeigt Jesus an, wie er von Gott her die Taufe als Zeichenhandlung versteht: Gott nutzt eine Person, ob sie nun besonders ist oder nicht, um andere von Lasten zu befreien oder zu erfrischen, so wie unsere Väter die Wanne oder den Gartenschlauch nutzten. Gott selber tauft durch den Menschen Johannes. Außerdem klärt Gott selber die Beziehung: Johannes hat gedacht, er macht die Leute rein, und Jesus macht ihn rein, denn Gott hat Jesus rein gemacht – also eine Reinheit über mehrere Stationen. Jesus weiß, Gott selber macht alle Leute rein, ganz direkt mit Hilfe einer Person, ohne jede Zwischenstation.

Johannes folgt Jesus als dem Reineren und tauft ihn, ohne so richtig zu wissen, wieso. Da ereignen sich zwei weitere Zeichen, die später von allen verstanden werden: Da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sagte: »Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erwählt.

Als ich unsere dicke Taube hier zum ersten Mal sah, dachte ich zuerst: sie kommt aus einem Möbelladen – das sieht man von außen. Dann dachte ich: sie muss ein Zeichen sein, – ja, das Zeichen für den Heiligen Geist.

Der Heilige Geist sitzt nun bei uns auf der Fensterbank und guckt in die ganze Gemeinde – auf uns alle; in anderen Kirchen schwebt er nur über denen, die lesen oder reden.

Die Stimme aus dem Himmel, die bestätigt Jesus und macht die besondere Beziehung zu Gott noch einmal klar. Egal was Menschen über den Kind und den Zimmermann Jesus gedacht haben, jetzt wissen alle, dass Gott sich zu Jesus stellt wie ein Vater zu seinem Kind.

Später hat Jesus seine besondere Beziehung zu Gott mit einer anderen Zeichenhandlung verknüpft, mit dem Abendmahl, das wir auch gleich feiern.

Im Abendmahl sagt Jesus: „ Nehmt und esst, das bin ich, Gottes Sohn. Ich bin für euch da.“ Keiner der Jünger, die dabei waren, hat das Brot von außen betrachtet und als ein Stück von Jesus gegessen, wo doch Jesus noch am Tisch saß. Alle haben mit ihren inneren Augen das Zeichen gesehen und geschmeckt, dass Jesus nun in ihrem Denken und Wollen war.

Dann hat Jesus gesagt: „Nehmt und trinkt alle daraus! Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut.“ Keiner der Jünger konnte mehr tun als die Lippen befeuchten mit dem einen Becher für mindestens 12 Personen, aber alle Anwesenden – auch die Frauen – wussten, sie sind jetzt Partner in einem neuen Bund mit Gott. Sie wussten, in diesem Bund sind alle Gottes Kinder und Jesus ist nicht mehr nur der einzige sondern vor allem der erste, der die anderen mit sich zieht.

Später, nachdem Jesus für uns gestorben und auferstanden war, kam der Befehl zu taufen und damit alle Menschen in dieselbe Beziehung zu führen, wie sie die Jünger selbst hatten: nämlich dass sie Gottes Kinder und Partner im neuen Bund mit Gott sind.

Auch wir sind durch die Zeichenhandlung unserer Taufe Gottes Kinder und Partner im neuen Bund mit Gott.

Heute wollen wir das durch ein feierliches Versprechen bekräftigen, damit wir antworten auf das, was Gott durch Zeichen und Ereignisse an uns tut. Auch wir machen dabei eine Zeichenhandlung, wir stehen auf und sprechen alle gemeinsam. Was aus diesem Versprechen wird, werden erst unsere Taten im Laufe dieses Jahres 2019 zeigen.

Nun lade ich gleich herzlich ein, diese Zeichenhandlung zu verstärken. Ich habe Euch allen das Gelöbnis noch einmal auf ein Blatt kopiert und mit einer Art Datum versehen. Außerdem habe ich viele Schreiber rausgesucht. Da könnt Ihr, nachdem Ihr durch Sprechen den Bund mit Gott erneuert habt, auf dem Blatt unterschreiben wie unter einen Vertrag. Das könnt ihr tun, wenn Ihr wollt, wenn wir wieder sitzen und zu singen beginnen. Das Blatt könnt Ihr mit nach Hause nehmen und es dahin legen, wo Ihr es oft angucken könnt.

Sicher ist das nur eine Zeichenhandlung, aber im Rückblick habe ich oft gesehen, wie stark Gott das Zeichen in die Tat umsetzt und den Bund hält und wie viel Kraft und Ideen Gott uns gibt, dass wir unsererseits das Zeichen in die Tat umsetzen und den Bund halten. Das bin ich sicher, dass der Bund auch dies Jahr unser Leben verändert. Amen.