Archiv der Kategorie: Predigt

„Love first“ – Zu lieben sind wir da

Themapredigt mit Bezug zu 1. Johannes 4,7-21

von Superintendentin Irene Kraft

(„Love first“ – Zu lieben sind wir da* deutscher Titel des Buches „Our Purpose is Love“ von David Field)

1. You only had one job

„Memes“ sind lustige Fotos oder kurze Videos zu unterschiedlichsten Themen, die im Internet auf Youtube oder in sozialen Netzwerken kursieren. Eine große Sammlung unterschiedlicher Bilder und Filmchen gibt es zu dem Stichwort: „You only had one job!“

Für  mich lässt sich der „eine Job“, den wir als Christen haben in ein Wort fassen: LIEBE.

In 1. Johannes 4, 7-21 beschreibt ausführlich, wie zentral die Liebe für unser Leben als Christen ist:
– Gott ist Liebe (V8)
– Aus Liebe hat Gott seinen Sohn gesandt und hingegeben (V9f) Wir kommen von Karfreitag und Ostern her. Durch das Kreuz hat Gott uns gezeigt, wie unendlich groß und seine Liebe ist. Sie ist so stark, dass sie Hass, Schuld und Tod überwindet.

– Gott zu lieben und unsere Mitmenschen zu lieben gehört untrennbar zusammen (V11). Jesus hat auf Nachfrage einmal erklärt: das höchste und wichtigste Gebot, in dem alle anderen Gebote zusammengefasst sind, ist dieses: Gott lieben und den Nächsten lieben (Mk. 12,31f)

Manche wenden dagegen gerne ein:
– Liebe ist harmlos: der „liebe Gott“ ist der Rauschebartgott auf der Wolke; man muss doch auch noch anders vor Gott reden.
– mit Liebe allein kommt man in unserer Welt nicht weit – schon gar nicht in der Auseinandersetzung mit  anderen Meinungen oder Menschen mit ganz anderen Hintergründen

Ich finde, die Liebe, von der in der Bibel die Rede ist, alles andere als harmlos! Gottes Liebe ist radikal. Jesus hat sie vorgelebt:
– sie ist ganzheitlich, betrifft den ganzen Menschen: Jesus hat Menschen geheilt, er hat sie von Bindungen befreit, er hat sie aus dem gesellschaftlichen Abseits geholt, er hat Schuld vergeben, er hat ihnen neue Lebensperspektiven eröffnet.
– sie gilt nicht nur Freunden und Gleichgesinnten, sondern auch Kritikern, Skeptikern, sogar Gegnern und Feinden. Jesus hat nicht nur Freunde um sich gesammelt, die so waren wie er, sondern die unterschiedlichsten Typen in seinen Jüngerkreis geholt. Er hat dazu aufgefordert, selbst die Feinde zu lieben und hat das bis zum Kreuz vorgelebt („Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“).
– In seiner Liebe war Jesus selbstlos und uneigennützig und konsequent bis ins Letzte. Er hat trotz aller Anfeindungen und Verletzungen sich nicht zu Gewalt und Hass hinreißen lassen, sondern hat bis zum bitteren Ende am Kreuz um Versöhnung, um Miteinander gerungen und an Gottes Liebe festgehalten.

„Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Joh. 14,9): So leidenschaftlich ist Gott in seiner Liebe für die Welt und für uns. Er gibt nicht auf.

Bis heute hat er nicht aufgegeben, obwohl wir immer noch in einer Welt leben, in der Konflikte, Hass, Missbrauch und Ausgrenzung Alltag sind. Wir erleben, wie rau der Ton geworden ist, teilweise auch unter Christen:

–  Der Slogan aus dem  Wahlkampf von US-Präsident Trump „America first“ hat viel Resonanz gefunden auch in anderen Ländern.
– Unterstellungen, Ressentiments, Verunglimpfungen sind mittlerweile an der Tagesordnung. Jahrzehntelang als selbstverständlich betrachtete Errungenschaften von Demokratie und Grundformen von Höflichkeit und Fairness scheinen immer mehr ausgehebelt zu werden.
– Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt werden an vielen Stellen nicht mehr geachtet, sondern bekämpft, sei es in den Flüchtlingsdebatten in unserer Gesellschaft oder leider auch in der Debatte um den Umgang mit Homosexualität in unserer Kirche.

2. Methodistische Identität: Liebe

Für unseren Kirchenvater John Wesley war die Liebe das absolute Herzstück alles Denkens über und Redens von Gott. Die Liebe ist sozusagen der Filter, durch den alle Aussagen der Bibel laufen müssen. John Wesley hatte das für sich sehr persönlich erfahren: Gottes Liebe geht allem voraus, sie ist unverdientes Geschenk, das er uns Menschen macht. Wir müssen und können sie uns nicht verdienen, sondern nur empfangen: Er sagt ja zu  mir; er nimmt mich an, er füllt die Leerstellen in mir.

Gottes Liebe anzunehmen und aufzunehmen bleibt nicht ohne Folgen, sondern verändert/transformiert mich. Ja, ich muss und kann mir Gottes Liebe nicht verdienen, aber sie hat den Anspruch und die Kraft, mich zu erfüllen, mein Leben zu durchdringen und zu verändern in der Nachfolge Jesu:
– Nicht mehr ich selbst und die Sorge um mein Wohlergehen sind der Nabel der Welt. Statt „unterm Strich zähl ich“ befreit mich Gottes Liebe dazu, die Welt um mich herum mit seinen Augen zu sehen und zu begreifen, dass es nicht nur um mich geht, sondern Gott seine gesamte Schöpfung und alle seine Geschöpfe ebenso leidenschaftlich liebt wie mich.
– Gottes Liebe kommt dann zu ihrem Ziel, wenn sie nicht nur in mein Leben hinein strahlt, sondern wenn ich sie reflektiere und weitergebe. Deshalb gehört Gott zu lieben und den Nächsten lieben so eng zusammen; das fängt ganz praktisch damit an
…wie ich über andere rede: abschätzig oder wertschätzend

… wie ich über andere urteile: pauschal oder nachdem ich ihre Position gehört und zu verstehen versucht habe.

… ob ich den einzelnen Menschen sehe oder nur das Klischee: Die Flüchtlinge, die Homosexuellen, die AFDler, die…
Und das geht weiter mit Fragen wie: Wo bin ich für andere da und investiere mich für sie – selbst wenn es meine Kraft, meine Zeit, mein Geld, meine Bequemlichkeit, meine vorgefassten Meinungen kostet?

Liebe ist dabei mehr als ein „Gefühl“ das ich haben kann oder auch nicht. Sie ist eine Grundhaltung und ein Grundwert, denen ich mich verschreibe.

Mit unserer eigenen Kraft, unserer eigenen Kraftanstrengung wären wir schnell ausgebrannt und am Ende. Menschen lieben, uns für sie engagieren und investieren, das gelingt nur, wenn wir selber immer wieder auftanken, Kraft schöpfen, uns Liebe schenken lassen. Dafür hat Gott uns geschenkt, was wir als Methodisten mit  „Gnadenmittel“ bezeichnen: Kanäle oder Gefäße, durch die seine Liebe zu uns kommt, wo wir in seiner Gegenwart aufatmen,  Vergewisserung finden, das Reservoir auffüllen können: z.B. im Gottesdienst, im Gebet, im Studium seines Wortes, durch Fasten oder dadurch, dass wir anderen Gutes tun. Und auch wenn es meines Wissens von Wesley nicht ausdrücklich als Gnadenmittel bezeichnet wurde, sind für mich persönlich Lieder und Singen eine wunderbare Möglichkeit, Gott zu begegnen und seine Gegenwart zu erleben.

4. „Love first“ – Zu lieben sind wir da

Zugegeben: Manchmal werde ich mutlos, angesichts all der Konflikte und Herausforderungen vor denen wir stehen in unserer Welt, un­serem Land, in unserer Kirche, unseren Gemeinden.  Aber ich will der Mutlosigkeit, dem Pessimismus, der Lieblosigkeit und Hoffnungslosigkeit nicht das Feld überlassen und auch nicht mein Herz, mein Denken und mein Reden! Ich will mich immer wieder erinnern und ermutigen lassen, dass Gottes Liebe mein und unser Leben erfüllen will und Gott uns braucht, damit seine Gegenwart sichtbar und erlebbar wird

„Love first“ – Lasst uns der Liebe den ersten Platz einräumen. Ich glaube, das wird sichtbar und erlebbar für andere,
….wo sie merken, dass wir an ihnen als Person echtes Interesse haben und zuhören, ohne sie in Schubladen zu stecken oder schnelle vorgefertigte Antworten zu geben
….wo sie erleben, dass wir unsere Sichtweisen nicht absolut setzen, sondern  mit einer gewissen Demut damit rechnen, dass wir falsch und der andere richtig liegen könnte.
… wo aus der Überzeugung, dass Gott mich uns andere gleichermaßen liebt Respekt für die Meinung des/der anderen wächst Gottes Liebe und die Liebe, die sie in uns erweckt, ist alles andere als harmlos und schwach:

– Sprengkraft steckt darin – denn es geht um andere Prioritäten als den eigenen Vorteil oder den Vorteil der eigenen Gruppe.
– Riskant ist sie, denn sie könnte ausgenutzt werden.
– Herausfordernd ist sie, denn wer liebt kann sich nicht mehr mit einfachen Schwarz/Weiß-Einteilungen und Richtig/Falsch-Antworten begnügen.
– Verheißungsvoll ist sie, denn sie trägt das Potenzial in sich, dass sie den Tod überwindet und bleibt, wenn alles andere vergeht.

Ich hoffe und bete, dass ich selbst und wir in unseren Gemeinden keine Lachnummer sind für andere, weil wir unseren einen Job so unzulänglich machen, sondern das Gegenteil: Mögen andere uns abspüren, was uns erfüllt und antreibt und mögen sie dadurch selbst neugierig und sehnsüchtig werden, Gottes Liebe zu begegnen und ihr in ihrem eigenen Leben Raum zu geben.

Zu lieben sind wir da! „You have only one Job“: Als von Gott geliebte Menschen Gott zu lieben und unsere Mitmenschen zu lieben.

Amen.


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Predigt am Ostersonntag

Predigt über Johannes 20,1-18

Das leere Grab

1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.1 2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; 4 sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. 5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. 6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen 7 und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. 8 Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. 9 Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. 10 Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.

Die Erscheinung Jesu vor Maria von Magdala

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. 12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. 13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. 15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. 16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.2 17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. 18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Ihr Lieben,

„Was für ein Blödsinn!“ habe ich gedacht, als ich die Geschichte von den 5 Schritten zum ersten Mal gehört habe. Ich habe gelacht – dann fiel mir siedend heiß ein, dass ich diese Geschichte schon in vielen Versionen erlebt habe.

Meine Güte, wie schwer ist es doch, ein neues Leben zu begreifen, eine neue Möglichkeit zu wagen, aufzuerstehen!!

Woran liegt das?

Gucken wir uns doch Maria von Magdala an. Sie war eine von den Frauen, die immer mit Jesus gegangen waren, sie hatte ihm seit ihrer Heilung immer zugehört, auch als er von seiner Auferstehung sprach. Aber als sie dann das leere Grab sieht, was macht sie? Sie rennt zu den Männern um Jesus zurück und sagt: Sie haben den Herrn aus dem Grab genommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben! – Panik, na toll! Wo hat sie denn ihren Kopf? Ja, ihren Kopf hat sie noch bei der Szene, wo sie Jesus ins Grab gelegt haben – mit allen seinen Wunden eingewickelt in saubere Tücher. Da ist ihr Kopf – und ihr Gefühl, da sind die Informationen, die sie abruft.

Das geht uns doch genauso:

Wir haben im Laufe unseres Lebens viele Informationen aufgenommen – doch welche davon haben wir sofort parat? Also mein Französisch ist völlig vorbei, obwohl ich ein Jahr in Frankreich studiert habe, mein aktives Englisch wird auch immer schwerfälliger, denn das Jahr in Chicago ist auch schon 19 Jahre her. Dafür kann ich jetzt etwas zu Bautrocknern sagen oder zu Kühlschränken oder zu Putzmitteln.

Maria von Magdala hat in der Fülle der Eindrücke, die Jesus ihr hinterlassen hat, einfach keinen Zugang zu den Informationen über Auferstehung; sie sieht die Straße nicht, sie fällt ins Loch. Ach Sünde!! Nun denn, die Männer um Jesus sind dran: sie laufen um die Wette zum Grab. Es fällt ihnen sogar auf, dass Jesus wohl ausgewickelt wurde, denn die Tücher sind noch da. Eines der Tücher ist sogar ordentlich gefaltet, da hat wohl jemand die Ruhe dazu gehabt, das fällt ihnen alles auf. Aber das verwundert sie nur. Auch diese beiden besonders mit Jesus verbundenen Jünger ziehen keine Verbindung zu Jesu Reden von seinem Tod und seiner Auferstehung. Zumindest äußern sie nichts darüber. – Obwohl es in ihnen eine Erinnerung gibt und sie sich wundern, fallen sie in das Loch.

Im Protokoll der letzten Sitzung der Gemeindeleitung steht: „Der Kollaps im Badezimmer ist nun eingetreten. Das Wasser steht in der Decke und tropft in die unteren Räume. Michael Schleif wird … erste Maßnahmen zur Stillung des Schadens durchführen.“ Alle Beteiligten hatten schon vor Jahren gewusst, dass das kommen könnte.

Irgendetwas in uns sträubt sich, wenn wir uns ändern müssten. Irgendwie hoffen wir wohl immer, wir könnten mit dem, was wir jetzt können, unser Leben lang auskommen. Das ist jetzt gut genug und wird wohl auch weiter gut genug sein. Ach Sünde!!

Gucken wir uns doch genau um: selbst die Blüten, die jetzt blühen, und die Blätter, die jetzt kommen, das sind andere Blüten und andere Blätter als letztes Jahr, denn die alten Blüten und Blätter sind ja vergangen. Neue Blüten und Blätter sind es!

Tja, wie wird dann Auferstehung wahr?

Maria von Magdala wagt es, Fragen zu beantworten und Fragen zu stellen. Fragen sagen immer, es reicht mir nicht mehr, mich nur zu wundern. Ich beschäftige mich mit Fragen, weil ich eine Änderung suche.

Manche Menschen tun das erst, wenn sie das Dasein im Loch unerträglich quält, wenn sie merken, dass sie in einer absoluten Sackgasse sind. – Andere Menschen fragen, weil sie von Umständen verlockt sind. – Wieder andere lassen sich von der Liebe und den Lieben dazu verleiten.

Fragen heißt ja auch, ich gucke in eine andere Richtung als vorher oder ich suche an Plätzen, die ich früher für unlogisch hielt. Denn wenn ich beim Fragen die Antwort schon weiß, brauche ich ja nicht mehr zu fragen. Maria von Magdala macht sich auf den Weg zur Veränderung und sie erhält Antwort von dem, den sie vorher nur unter „Gärtner“ innerlich abgelegt hatte. Gewohnte Menschen können uns zu ungewohnten neuen Möglichkeiten geleiten, wenn wir sie ungewohnt sein lassen. Auch die gewohnten Menschen verändern sich ja – genau wie wir auch.

Maria hatte an Jesus festgehalten bis in den Tod, aber sie hat eben den Tod festgehalten, bis Jesus Christus selbst ihr die neue Gemeinschaft schenkte. Wie gut, dass Jesus Christus seine letzte Mahlzeit vor seinem Tod nach seinem Tod in neuer Umgebung, also in Emmaus oder am Seeufer, neu feierte und seine Freunde aufforderte, dieses Abendmahl immer wieder bis heute neu zu feiern.

In dieser Mahlzeit hat Jesus sich uns allen selbst geschenkt in dem Brot und dem Becher, die auf dem Tisch waren. „Nehmt und esst, das ist mein Leib für euch“ und „Nehmt und trinkt, das ist der neue Bund in meinem Blut.“ „Zur Vergebung der Sünden“ hat Jesus gesagt, weggegeben – vergeben wird die alte Angst vor Veränderung, vergeben – weggegeben die falsche Zufriedenheit mit dem, worin wir gefangen sind, vergeben – weggeben alles, was uns wie ein Sund von Gottes Erneuerung trennt.

Gegeben wird uns Leben durch den Tod hindurch, wir schmecken andere Maßstäbe für Lebensqualität, wenn wir Jesus Christus, Gott selbst, in dem kleinen Bissen und dem kleinen Schluck zu uns nehmen. Und wir fangen mit dem Frieden für die Welt an, wenn wir einander halten, ohne uns festzuhalten.

Das sind Zeichen der Auferstehung. Lasst uns kommen und schmecken und glauben: neues Leben ist möglich, Jesus ist auferstanden, wir stehen mit ihm neu auf,

Halleluja!

Pastorin Regina Waack

Predigt am 4. Adventssonntag

 Predigt über Lukas 1,39-56

Marias Besuch bei Elisabeth  (Maria Heimsuchung)

39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda 

40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.

41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt 

42 und rief laut und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! 

43 Und wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 

44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. 

45 Ja, selig ist, die da geglaubt hat! Denn es wird vollendet werden, was ihr gesagt ist von dem Herrn.

Marias Lobgesang

46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, 

47 und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; 

48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. 

49 Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. 

50 Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten. 

51 Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. 

52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. 

53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. 

54 Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, 

55 wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. 

56 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.

Ihr Lieben,

wie es wohl ist, hochschwanger zu sein? Viele hier haben das ja erlebt – ich glaube, auch Männer können hochschwanger sein.

Wir alle hier sind ja kurz davor, eine Geburt zu feiern – also irgendwie hochschwanger.

Als Maria fürchtete, sie könne schwanger sein, ging sie zu ihrer alten Verwandten Elisabeth, bei der alle die Schwangerschaft schon sehen konnten. Alt und schwanger ist nicht so einfach, genau wie eigentlich unberührt und schwanger.

Ich denke, beide Frauen waren am Anfang nicht nur erstaunt sondern auch beunruhigt. Was wird werden mit dem neuen Leben, das da wächst? Hätte die alte Elisabeth gewusst, dass ihr Sohn Johannes am Ende geköpft wurde, wäre sie wohl bitter gewesen über die Schwangerschaft. Hätte Maria gewusst, dass ihr Sohn Jesus am Ende zu Tode gefoltert würde, hätte sie sich vielleicht dem Engel verweigert.

Warum freuen wir uns darauf, morgen wieder eine Geburt feiern zu können?

So wie uns die Bibel erzählt, freute sich Johannes auf Jesus schon im Mutterleib. Elisabeth meinte, er hüpfte. Wenn Kinder sich freuen, freuen sich Mütter auch. Elisabeth hatte sogar Worte, die erklärten, was ihr ungeborener Sohn meinte. Sie

sagte: Gesegnet bist du von Gott, auserwählt unter allen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! Wie komme ich zu der Ehre, dass die Mutter meines Herrn mich besucht?

Maria hatte noch gar nichts gemerkt, denn es waren ja erst ein paar Tage vergangen, seit der Engel bei ihr war. Jesus in ihr war sicher nicht größer als ein Daumennagel, aber er wirkte schon.

Da war sich nun auch Maria sicher, dass sie ein total außergewöhnliches Kind im Leibe trug.

Wir, die wir uns auf morgen freuen, können nun an Maria und Josef denken, wie sie schon auf dem Weg nach Bethlehem waren. Von Nazareth in Galiläa zu irgendeinem Ort in Judäa sind es nämlich immer einige Tage Fußmarsch. Maria ging also mit Josef in dem Wissen, was sie bei Elisabeth erlebt hatte. Darum hat sie sicher bei jeder Rast mit Gott geredet und das besondere Kind in ihrem Leib angebetet. Darum ist es gut, dass sie in unserer Krippe so betend dargestellt wird. Ich stelle sie hier hin.

Auch Josef hat sich sicher mehr gesorgt und gewundert als viele andere Väter. Sicher hat er abends beim Rasten oft die Laterne hochgehalten, um sicher zu sein, dass alles gut ist. Ich stelle ihn zu Maria.

Ja, die Erwartungen! Elisabeth hat Marias Sohn als ihren Herrn bezeichnet, weil, durch Gottes Geist, ihr gerade mal so lebensfähiger Sohn im Mutterleib mit ihr geredet hat. Nur weil der kaum entwickelte Embryo Jesus im Leib von Maria schon nach außen wirkte! Was für eine Kraft!

Maria wusste: wenn so ein kaum spürbares Leben sich schon anderen als Herr der Welt bekannt macht, dann ist alles möglich! Gott macht es möglich!

Darum singt sie, wie Moses Schwester Miriam und wie andere Frauen vor ihr gesungen haben und zitiert die uralten Hoffnungen. Wir haben eben Marias Lobgesang selber gelesen und gesungen.

Da ist zuerst die riesige Freude, dass Gott sieht, sogar wenn frau oder man sonst eher nicht gesehen wird. Diese Freude können wir alle teilen.

Doch dann kommt die Umstürzung der Verhältnisse: die Stolzen, die Mächtigen, die Reichen haben es schwer, weil die anderen es gut haben sollen. Wenn wir uns in Deutschland mit den meisten Ländern der Welt vergleichen, dann sind wir die Stolzen, die Mächtigen, die Reichen. Unsere Pläne, unsere Ansprüche an die anderen Länder der Welt, unsere Standards für Essen und Wohnen werden nach unten korrigiert, damit alle auf der Welt gut leben können. Freuen wir uns darauf?

Natürlich können wir uns einfach mit anderen Menschen in Deutschland vergleichen, dann gehören die meisten hier der Mitte an, von eher arm bis eher gut situiert. Wir haben alle genug zu essen, können frei unsere Meinung sagen und vieles tun, was wir wollen. Das alles, obwohl andere auch viel Macht über uns haben. Wenn also die Umstürzung der Verhältnisse kommt, könnten wir hoffen, dass wir so mittig bleiben. Aber wer weiß?

Sollen wir uns also besser nicht freuen, dass Marias Gesang sich erfüllt?

Naja, Gott ändert die Verhältnisse, aber Gott ist gleichzeitig voll Erbarmen. Maria singt: Gott hat an seinen Diener Israel gedacht und sich über sein Volk erbarmt.

Und vorher: Gottes Erbarmen hört niemals auf; er schenkt es allen, die ihn ehren, von einer Generation zur andern.

Erbarmen ist etwas anderes als Rache. Erbarmen heißt, dass Gott uns mitnimmt in die neue Bewegung. Gott erbarmt sich über uns, darum können wir uns erbarmen. Gott schenkt und wir schenken. Gott wirkt schon als Embryo im Mutterleib und Menschen fangen an zu singen. Es ist eine kräftige aber sanfte Veränderung voll Erbarmen.

Wenn wir uns darauf einlassen und mitgehen, können wir uns freuen auf diese neue Welt. Maria ging mit Gott in ihre ungewollte Schwangerschaft und freute sich darauf, was Gott durch sie und vor allem durch ihr Kind tun würde. Amen.

Predigt zum Erntedankgottesdienst

Predigt über 1. Timotheus 4, 4-5

Erntedank 2018 (11)Ihr Lieben,

Erntedank feiern unterscheidet sich vom Tag der Schöpfung dadurch, dass wir Gott auch für etwas danken, was nicht direkt aus der Natur kommt.

Also danken wir Gott für Kleidung und Wohnung. Das passt gut zu dem, was Jesus übers Sorgen sagte. Wenn wir uns nur zuerst darum kümmern, uns Gott zu unterstellen, also zu segnen, zu teilen und zu helfen, dann werden wir Essen, Kleidung, Wohnung und alles andere, was wir brauchen, irgendwie erreichen.

Außerdem können wir Gott auch für die guten Erfahrungen danken, so wie wir es eben getan haben.

Doch was ist mit den Verletzungen und mit den Herausforderungen? Da reicht es für viele nur dazu, mit Hiob zu sagen: Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt! (Hiob 1,21)

Doch ich lade ein, für die Zumutungen auch zu danken. Wenn ich danke, dann denke ichErntedank 2018 (13) an Gott als guten Schöpfer und als guten Freund, der sich für mich gegeben hat. Wenn ich Gott danke, dann muss es doch gut sein, wo für ich danke.

Wenn ich also Gott für die Zumutungen danke, verwandelt sich etwas.

Paulus schreibt wegen einer Auseinandersetzung um Essen an Timotheus: alles, was Gott geschaffen hat, ist gut. Wir brauchen nichts davon abzulehnen, sondern dürfen es alles gebrauchen – wenn wir es nur mit Dank aus der Hand Gottes empfangen. Denn durch das Wort Gottes und durch unser Dankgebet wird es rein und heilig.

Wenn wir Gott für unsere Verletzungen danken, können wir sie als Teil von Gottes heiligem Dialog mit uns sehen, nämlich als Frage: „hast Du etwas dazu beigetragen, dass Du verletzt wurdest? Kannst du anders handeln, damit du nächstes Mal nicht verletzt wirst? Bist du schon so lange auf dem Holzweg, dass Du nun eine Verletzung brauchst, um endlich das Richtige zu tun?“ Gottes heilige Fragen lassen uns nach Antworten suchen, die auch für Gott bestimmt, also heilig, sind.

John Wesley schrieb einmal: »Sieh Ratschläge oder Tadel stets als einen Erweis des Wohlwollens an; sie sind das sichere Zeichen der Liebe.«

Das sehe ich etwas anders, weil ich auch Ratschläge und Tadel kenne, die andere schlagen und klein machen wollen. Aber weil ich sicher bin, dass Gott etwas Gutes mit mir vorhat, kann ich sogar solche Ratschläge und Tadel brauchen, um nachzudenken und zu wachsen.

Auch für Herausforderungen kann ich Gott danken und sie so in heilige Gelegenheiten verwandeln. Dabei muss ich ganz ehrlich zugeben, dass große Herausforderungen, wie z.B. die zukünftige Gestalt unserer Gemeinde und mein Teil darin, einen ganzen Haufen schlechter Gefühle auslösen können: Ängste, Ärger, Ohnmacht, Wut.

Trauer ist übrigens nicht dabei, denn Trauer könnte heißen, „ich finde mich mit etwas Schlimmem ab und bin irgendwie damit einverstanden.“ Das wäre mir aber zu nahe an Hiob und seinen Worten: Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!

Nein, ich danke Gott für die Herausforderungen, weil ich Gott glaube, dass etwas Gutes dabei herauskommt, egal wie viel Angst und Ärger ich dabei empfinde.

Als ich so übers Danken in Verletzung und Ängsten nachdachte, wurde mir klar, dass ich mich da in sehr guter Gesellschaft befinde. Wir alle befinden uns in sehr guter Gesellschaft, wenn wir auch in enormem Stress Gott danken. Jesus Christus, unser Leiter und Bruder, war selber erschüttert und in Ängsten, als er Gott dankte und das Brot brach. Es ist eins der ältesten Zeugnisse über Jesus Christus, die wir im Neuen Testament haben. Paulus schreibt an die Korinther: Ich nämlich habe als Überlieferung, die vom Herrn kommt, empfangen, was ich euch weitergegeben habe: In der Nacht, in der Jesus, der Herr, ausgeliefert wurde, nahm er Brot, sprach darüber das Dankgebet, brach es in Stücke und sagte: »Das ist mein Leib, der für euch geopfert wird. Tut das immer wieder, damit unter euch gegenwärtig ist, was ich für euch getan habe

Das fast älteste Zeugnis von Markus erzählt, wie Jesus damals seine Freunde verstört hat, weil er wusste, wer ihn verraten würde, und wie er nach diesem Abschiedsmahl voll Angst und Schrecken zu Gott gebetet hat, Gott möge das Leid vermeiden. Da bin ich sicher, Jesus war auch während des Abschiedsmahls unter großer innerer Anspannung.

Auch jetzt in unserer Mitte gibt es große Anspannung. Schließlich kann sich auch Irene Kraft etwas Gemütlicheres vorstellen als den Weg von Hamburg nach Flensburg am frühen Sonntagmorgen nach Tagen voller Termine.

Aber ich werde wie unser Herr Jesus Christus Brot und Kelch nehmen und Gott danken. Wir werden gemeinsam danken, Gottes Wort über Brot und Kelch hören und Brot und Traubensaft miteinander teilen. So wird alles verwandelt in etwas Heiliges, uns zum Leben und zum Heil. Amen.

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Predigt zum Tag der Schöpfung

02. September 2018

Ihr Lieben,

Gestern hat die ACK Deutschland den Tag der Schöpfung gefeiert und lädt uns ein, diesen Tag nachzufeiern. Zwar ist das nahe an Erntedank, aber da ist doch ein Unterschied. Der Tag der Schöpfung ist nicht auf uns ausgerichtet, auch wenn er uns nützen kann.

Eine heile Schöpfung ist nämlich mehr als eine gute Ernte, eine heile Schöpfung ist Grundlage für ein gutes Miteinander von Menschen, und von Menschen und ihren Mitgeschöpfen. Deshalb hat die ACK Deutschland wohl auch den Tag der Schöpfung auf den Tag gelegt, mit dem der Zweite Weltkrieg angefangen hat. Gestern Mittag um 12.00 Uhr haben viele in einer Schweigeminute daran gedacht. Eine heile Schöpfung kann ein Gegengewicht zu Krieg sein.

Misereor Hungertuch 1982Das zeigt auch dies Bild, das ich Euch heute mitgebracht habe. Es ist ein „Hungertuch“, ein Fastentuch, das in der katholischen Kirche vor Ostern vor den Altar gehängt wird und uns an die Not in der Welt und unsere Verantwortung erinnert.

In der Mitte dieses Tuchs seht Ihr einen Baum voller verschiedener Früchte. Da sind Äpfel, Mango, Papaya, Ananas, Mandarinen, Datteln, Brotfrucht, Kakao. Vielleicht kennen Eure Kinder diese Früchte nicht mehr, denn die Vielfalt von Insekten, Vögeln und Pflanzen ist drastisch zurückgegangen.

Außerdem habe ich   in der Vorbereitung gelernt, dass wir Menschen gar nicht so einzigartig in Gottes Schöpfung sind: wir haben keinen eigenen Tag eingeräumt bekommen. Wir teilen uns den „sechsten Tag“ mit den kriechenden Tieren dieser Welt (Gen 1,24 – 26). So sind wir auch Teil der Früchte dieses Baumes, an dem der Gottmensch Jesus Christus hängt, oder auch Teil der Tiere, neben denen er links auf dem Bild steht. Wir sind auch Teil des Paradieses oben auf dem Bild. Wenn sich alle Menschen an die Zehn Gebote halten würden, dann könnte da eine fröhliche Gemeinschaft sein wie rechts oben auf dem Bild.

Oder es könnte sein, wie wir es eben aus dem Buch des Propheten Jesaja gehört haben: Wenn aber der Geist aus der Höhe über uns ausgegossen wird, dann wird die Wüste zum Garten und der Garten wird zu einem Wald. In der Wüste wohnt das Recht, die Gerechtigkeit weilt in den Gärten.   Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein, der Ertrag der Gerechtigkeit sind Ruhe und Sicherheit für immer.

Wir hier in Deutschland haben sehr viel Wald für unser mittelkleines Land verglichen mit anderen Ländern in Europa. Wir sind auch stolz auf unsere Gärten. Wir haben eigentlich genug Früchte, die wir essen können.

Trotzdem fühlen sich einige nicht sicher und in Frieden, weil Menschen aus anderen Misereor Hungertuch 1982Ländern unseren Wohlstand mit uns teilen wollen. Diese Menschen haben oft einiges von dem erlebt, was unten auf diesem Hungertuch dargestellt ist: Unterdrückung und Gewalt im eigenen Land, Not in Booten auf dem Meer, Zäune und Mauern um die Länder, in denen sie Zuflucht suchen.

Menschen, die ihren eigenen Gewinn suchen wie die Händler im Tempel auf dem Bild Mitte rechts, beuten andere aus wie auf dem Bild   Mitte links.

Christus ist mittendrin in all diesem. Christus leidet unten mit den Menschen unter der Folter der Soldaten oder im Boot. Wir wollen mit Christus gehen, doch so leiden wir hier nicht.

Eher passt es zu uns, wie Christus in der Mitte links und rechts auf das Paradies oben hinweist und sich dabei mit den Menschen anlegt, die nur an ihren kurzfristigen Vorteil denken. Ja, Jesus Christus riskierte viel – bis hin zur Gerichtsverhandlung und zum Todesurteil. Soviel brauchen wir meist in unserem Land nicht zu riskieren, wenn wir Zivilcourage zeigen, auf einen besseren Umgang mit unseren Mitgeschöpfen dringen und die Früchte unseres Landes mit allen teilen.

Seit Jesus Christus gestorben und auferstanden ist, ist der Zugang zum Paradies oben für uns alle wieder offen. Wir können zu einer Art Zehn Gebote für die Welt kommen, an die sich alle halten. Als einen ersten Schritt haben die meisten Länder der Erde die Charta für Menschenrechte unterschrieben. Viele haben sich auch in Paris zur Bewahrung unseres Klimas und damit zur Bewahrung der Schöpfung verpflichtet. Jetzt müssen wir weitergehen, damit wir zu einer Gemeinschaft kommen, wo alle mit den Früchten unserer Erde gemeinsam ein Fest feiern. Noch gibt es genug, es ist nur ungerecht verteilt.

Leider passiert manchmal, was Jesaja so beschreibt: Aber der Wald stürzt in jähem Sturz, die Stadt versinkt in der Tiefe.

Auch in diesem Sommer haben wir von „Land unter“ gehört und gesehen oder auch Nachrichten von verheerenden Waldbränden bekommen. Sehr oft sind mittelbar oder unmittelbar Menschen mit ihren Rücksichtlosigkeiten gegen die Natur verantwortlich für diese Katastrophen.

Aber immer noch sind wir in Europa gesegnet, wie Jesaja schreibt: Wohl euch! Ihr könnt an allen Gewässern säen und eure Rinder und Esel frei laufen lassen.

Unsere Landwirtschaft kann immer noch neu anfangen, ohne sich vor einem Krieg fürchten zu müssen. Das war ja vor 70 Jahren in Polen für die Land-wirte anders, denn sie mussten mit den Verwüstungen durch Panzer auf ihren Äckern leben. Bis heute hören wir davon schlimme Geschichten. Einige hier sind immer noch dadurch gezeichnet.

Gute Natur und Frieden gehören zusammen. GottseiDank haben wir heute hier wieder beides! Lasst uns darauf aufpassen, damit wir uns lange mit anderen daran freuen können. Amen.

Misereor Hungertuch 1982

 

 

Predigt über Epheser 3,14-21

Ihr Lieben,
wir Menschen sehen viele Aufgaben vor uns. Da sind einerseits Gottes Aufträge gegen das Böse in der Welt und andererseits Herausforderungen für uns selbst und unsere Lieben. „Exaudi“, also „erhöre uns“, hört Gott ständig.
Dabei kann es vorkommen, dass übersehen wird, was schon da ist. Selbst Paulus passierte das im Brief an die Epheser. In den ersten beiden Kapiteln lobte er die Gemeinde und stellte dar, welche großartige Gabe uns in Jesus Christus gegeben ist. Dann erwähnte er, dass er für diese Gute Nachricht im Gefängnis ist. Und dann schreibt er doch tatsächlich: Deshalb knie ich vor Gott nieder und bete zu ihm. Er ist der Vater, der alle Wesen in der himmlischen und in der irdischen Welt beim Namen gerufen hat und am Leben erhält. Ich bitte ihn, dass er euch aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit beschenkt
Ja, aber wir sind doch schon beschenkt. Das kann ich bezeugen.
Ich las gestern, dass die Zahl der Hundertjährigen wieder gewachsen ist. Über 50% von ihnen sind zufrieden. Unter uns sind auch viele zufrieden.
Löwenzahn 1Der Löwenzahn blüht; das ist für mich ein Zeichen von Genuss und Verschwendung an den unmöglichsten Orten. Die jungen Blätter vom Löwenzahn sollen sehr gut schmecken, aus den gelben Blüten kann Gelee gekocht werden, die Wurzel kann auch geröstet und als Kaffeeersatz verwendet werden. Löwenzahn kann Krebszellen am Wachstum hindern und die Verdauung regulieren. Trotzdem gilt Löwenzahn als Unkraut und wächst überall, wo Menschen sich nicht um Pflanzen kümmern. Wie reich ist Gott, dass unser Schöpfer so eine begabte Pflanze überall auf der Nordhalbkugel unserer Erde verstreut, bis wir sie lästig finden. Welche anderen Geschenke von Gott übersehen wir noch?
Paulus bittet für die Epheser: dass Gott euch durch seinen Geist innerlich stark macht.
Viele hier begleiten andere in größten Notlagen; einige tun das im Hospiz, andere bei Besuchen in Altenheim, wieder andere als Betreuer. Einige begleiten auch geduldig Menschen in schwierigen Übergangsphasen. Woher können wir das tun? Doch nur weil Gott uns dafür innere Stärke gegeben hat. Also nicht nur „Audi“ zu Deutsch „Höre“ sondern wirklich „EX-audi“ zu Deutsch „erhöre fertig.“ Das bezeuge ich und darüber freue ich mich.
Paulus bittet weiter: dass Christus durch den Glauben in euch lebt und ihr fest in seiner Liebe wurzelt und auf sie gegründet seid.
Ja, sicher können wir auch da immer noch mehr wünschen. Doch ich denke an viele Gäste, die eine Zeitlang öfter zu uns kamen und nun schon lange nicht mehr da sind. Wie liebevoll wurden sie aufgenommen, wie schnell ist die Verbindung wieder da, wenn Grüße ausgerichtet werden! Viele unserer Freunde sind nur noch in unseren Fürbitten unter uns, aber wir denken liebevoll an sie. So geben wir die bedingungslose Liebe Jesu Christi weiter, weil Christus in uns lebt! Ich merke es, bezeuge es und freue mich.
Paulus bittet: dass ihr zusammen mit der ganzen Gemeinschaft der Glaubenden begreifen lernt, wie unermesslich in der Breite, Länge, Höhe und Tiefe euch Gott beschenkt.
Wir als Gemeinde sind in manchen Plänen tief enttäuscht worden. Wir haben unseren Liedschatz und unser Verständnis für andere Kulturen erweitert. Wir haben Konflikte mit langem Atem zu einem positiven Ausgang geführt. Wir haben Höhepunkte gemeinsam gestaltet und erlebt. Sicher ist es nur ein kleiner Teil von dem, was Gott tun kann, aber ich bezeuge es und freue mich dran.
Paulus wünscht uns: Ihr sollt die Liebe erkennen, die Christus zu uns hat und die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr immer umfassender Anteil bekommen an der ganzen Fülle des Lebens mit Gott.
Ja, das ist eine passende Bitte für so einen Sonntag zwischen Abschied von dem, was an Jesus Christus menschlich sichtbar war, und Lobpreis über seine unsichtbare Gegenwart in so vielen Erfahrungen. Wir sind ja immer unterwegs zwischen dem, was wir schon an Liebe erfahren haben, und dem, was von Gott her noch alles möglich ist.
Im Advent denken wir auch an dieses Dazwischen. Wir sehen viel Not und wir sehnen uns nach dem erfüllten Ende.
Mark Wiggin (Veritasse)Doch zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ging es Jesu Jüngern anders; so könnte es uns heute am Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten auch anders gehen.
Jesu Jünger sind nicht in das Alte zurückgegangen; sondern sie haben sich neu organisiert und haben Gott gelobt wegen Ostern. Wir sind unterwegs, aber wir fangen täglich neu mit dem an, was schon an uns geschehen ist. Die Freude darüber kann uns Kraft geben, damit wir in Bewegung bleiben. Denn da kommt immer noch etwas und da geht immer noch etwas.
Ich stimme ja Paulus zu, wie er schreibt: Gott kann unendlich viel mehr an uns tun, als wir jemals von ihm erbitten oder uns ausdenken können. So mächtig ist die Kraft, mit der er in uns wirkt.
Wir kommen also nie ans Ende der liebevollen Überraschungen und Geschenke, die Gott uns und der Welt macht. Das bezeuge ich und lege es als unendlich mächtiges Gegengewicht in die Waagschale gegen die andere Schale mit den vielen Fehlern und dem alltäglichen Bösen und Elend, gegen das wir immer neu ankämpfen müssen.
Guckt auf den Löwenzahn; Gott kann unendlich viel mehr, als wir ausrupfen und zerstören können. Gott kann uns unendlich viel Kraft und Geist für Frieden und ein gutes Leben für alle auf der Welt geben.
Am Ende unseres Weges von dem, was Gott uns schon schenkte, zu dem, was wir noch gar nicht wissen können, wird der Lobpreis stehen, da bin ich sicher.
Paulus schreibt: Gott gehört die Ehre in der Gemeinde und durch Jesus Christus in allen Generationen, für Zeit und Ewigkeit! Amen.

Pastorin Regina Waack

Löwenzahn 4

Zweiter Sonntag im Advent

Predigt über Jesaja 63,15-16+17+19b+64,1-3

Pastorin Regina Waack

15 Schau herab vom Himmel und sieh herab von der Wohnung deiner Heiligkeit und deiner Herrlichkeit! Wo sind dein Eifer und deine Kraft? Das Aufwallen deiner Gefühle und dein Erbarmen – mir hast du es nicht gezeigt.

16 Du bist doch unser Vater! Abraham hat nichts von uns gewusst, und Israel kennt uns nicht. Du, HERR, bist unser Vater, Unser-Erlöser-seit-uralten-Zeiten ist dein Name.

17 Warum, HERR, lässt du uns umherirren, fern von deinen Wegen, verhärtest unser Herz, so dass wir dich nicht fürchten? …

19 Wir sind wie die geworden, über die du nie geherrscht hast, über denen dein Name nicht ausgerufen wurde. Hättest du doch schon den Himmel zerrissen, wärst schon herabgestiegen, so dass die Berge vor dir erbebt wären,

1 wie Feuer Reisig entzündet, wie Feuer Wasser zum Aufwallen bringt, um deinen Name bekannt zu machen bei deinen Feinden. Die Völker zittern vor dir,

2 wenn du wunderbare Dinge tust, auf die wir nicht zu hoffen wagen. Wenn du herabsteigst, beben die Berge vor dir.

3 Und nie zuvor hat man davon gehört, nie haben wir davon gehört: Kein Auge hat je einen Gott außer dir gesehen, der solches tut für die, die auf ihn warten.

Ihr Lieben,

Peanuts Depression Adventerst mal habe ich euch diesen herrlichen Comic von den Peanuts mitgebracht. Ja, wie beurteilen wir die Welt um uns herum; wie sehen wir unser eigenes Leben? Sind wir deprimiert oder warten wir noch?

Ja, einige unter uns warten sehnsüchtig darauf, gesund zu werden. Andere warten, dass der Vorweihnachtsstress nachlässt, in den sie hineingezogen sind. Andere stehen vor den alljährlichen Aufgaben zu Jahresende und sehnen sich danach, sie bewältigt zu haben.

Ja, viele warten, aber rechnen sie – und rechnen wir – dabei mit Gott? Also meiner Meinung nach müssten wir alle rufen: Warum lässt du uns, HERR, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, sodass wir dich nicht fürchten?

„Ich fürchte, dass“ heißt im Deutschen oft etwas anderes als „ich zittere vor Angst“; meistens heißt es: „ich rechne mit etwas, was mich stört – und versuche mich darauf einzustellen.“ Z.B. „ich fürchte, dass es anfängt zu regnen, also nehme ich einen Schirm mit.“ Oder „ich fürchte, dass die anderen recht haben, dann muss die Politik anders handeln.“

Was sollten wir von Gott fürchten, womit könnte Gott uns denn stören? Gott könnte nicht nur – sondern Gott stört uns tatsächlich damit, dass wir nicht einfach unsere Familien und Freunde und alles um uns herum als einzige Wirklichkeit sehen. Da ist Gottes heilige Unzufriedenheit in uns und lässt uns fragen: „ ist das alles, dieses tägliche Beschäftigen mit meinem Körper und den Menschen und Dingen vor meiner Nase? Ist das die einzige Anerkennung für mein Leben, dass ich Aufgaben von anderen erfülle und sie mich loben?“

winter-1138911_1920Von der Frage: „Ist das alles?“, ist es nur ein kleiner Schritt zu der Frage: „Wo bleibt der Sinn unserer Tage; wo bleibt das Ziel unserer Unternehmungen; wo bleibt die Anerkennung, wenn wir keine Aufgaben erfüllen können?“ Eben haben wir gemeinsam gebetet: Wo ist dein leidenschaftlicher Eifer, dein großes Mitgefühl und dein Erbarmen?

Gottes leidenschaftlicher Eifer für unsere Welt zeigt sich nicht nur im Regenbogen nach allen Stürmen. Gott fühlt so leidenschaftlich mit, dass Gott selbst ein Mensch wie alle wurde.

Das ist unser großer Vorteil gegenüber denen, die zuerst mit Jesaja so gebetet haben wie wir eben. Diese Menschen um den dritten Jesaja waren zwar aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, aber ihr Leben in der Heimat war genauso schlecht wie im Exil. Überall lagen noch Trümmer und um den Tempel kümmerte man sich kaum, weil alle mit ihrem Überleben beschäftigt waren. Sie fragten: wenn unsere Rückkehr wirklich Gottes Wille ist, warum baut Gott uns keine neue Gesellschaft, warum lässt Gott Ungerechtigkeit passieren?

Ja, wir Christen wissen warum: weil Gott uns als Partner und Stellvertreter ernst nimmt und uns auch in unseren Fehlern achtet. Darum hat Gott die Berge stehen lassen und das Feuer zurückgehalten und ist selber Mensch geworden in Jesus Christus. Jesus Christus ist neben Menschen gegangen und hat andauernd die andere Wirklichkeit hinter dem Jetzt und Hier angesprochen. Das hat die anderen erfreut, aber viele auch einfach sehr gestört.   Jesus Christus machte allen klar, dass wir Teil der guten Zukunft dieser Welt sein sollen; so wie wir sind, geben wir Gottes Liebe weiter. Das ist einfach gesagt und jeden Tag eine riesige Herausforderung.

Wir Menschen hätten lieber, dass Gott das ohne uns macht und wir nur genießen, was Gott schafft. So sind wir frustriert und zweifeln: „Ist Jesus Christus, Gott als Mensch, wirklich eine Macht für unsere Zukunft, wo bleiben die Zeichen, dass sich Gerechtigkeit und Liebe durchsetzen?“

Genauso haben die Menschen damals an Jesus gezweifelt und ihn töten lassen, weil er keine große Macht Gottes zeigte.

An seinem letzten Abend wusste Jesus, dass die Entscheidung der meisten Menschen gegen ihn gefallen war. Die Jünger und alle Mitjuden feierten zwar, dass Gott sie befreit hatte, aber es war nur noch Erinnerung an etwas, das schon fast ein Jahrtausend zurück lag. Genau wie einige Jahrhunderte früher die Menschen um Jesaja fragten sie: wo bleibt die Erlösung, wo bleibt Gott?

Jesus nahm das Brot und sagte: „hier ist Gott, denn hier ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Esst alle davon, dann bin ich in euch und stärke euch, wie jedes Essen euch verändert und stärkt.“

Als sie wie immer fragten, ob dies Jahr die endgültige Befreiung käme, ob also Elia den letzten Kelch austrinken würde und dann das Ende des Alten ansagen würde, da nahm Jesus diesen Kelch und sagte: „ Trinkt alle daraus, denn ihr alle seid Elia. Das Neue, die Befreiung, fängt jetzt an – mit mir und mit euch allen.“ Dann folgten der schreckliche Tod und die wundersame Auferstehung.

Das wissen wir alles. Auch wir feiern dieses letzte Abendmahl als Erinnerung.

Die Frage ist nur: haben wir auch Hoffnung? Lassen wir uns verändern, weil immer neu Gottes Bund mit uns anfängt, wenn wir aus dem Kelch trinken? Oder jammern wir uns fest, wie in dem Comic, das ich Euch schon gezeigt habe? Ach Gott, Komm plötzlich, komm mit großer Macht, Noch nie hat man von einem Gott gehört, der mit dir zu vergleichen wäre; noch nie hat jemand einen Gott gesehen, der so gewaltige Dinge tut für alle, die auf ihn hoffen. Amen.

Peanuts Depression Advent