„Never Walk alone“

nwa-1Den letzten Weg begleitet gehen!

In Deutschland werden jährlich rund 150.000 Menschen bestattet, die keine Angehörigen oder Freunde mehr haben.

Allein in Flensburg liegt ihre Zahl jährlich zwischen 50 und 70.

Außer den Beerdigungsunternehmen kümmert sich niemand um solche Beisetzungen. Damit sollte sich eine so reiche Wohlstandsgesellschaft wie in Deutschland nicht abfinden. Niemand hat es verdient, auf seinem letzten Wege allein gelassen zu werden. Aus dieser Erkenntnis heraus bildete sich unsere Initiative „Abschied in Würde“.

Was tun wir dabei konkret?

Never Walk alone           Flen 26 (91)

2006 suchten wir nach einer Aufgabe “vor der Haustür“, die wir auch ohne Pastor durchhalten könnten. Wir erfuhren von den von Sozialamt/Ordnungsamt bezahlten anonymen Bestattungen für arm und einsam verstorbene Menschen. Deren Urnen wurden nur von den Friedhofsgärtnern bestattet, ohne sonstige Anteilnahme.

Dass dies vielleicht nicht menschenwürdig ist, hatte damals auch der Leiter des Flensburger Friedhofs erkannt und sich wegen einer Bestattungsbegleitung schon umgehört. Als wir anfragten, ob wir eine Aussegnungsfeier und Bestattungsbegleitung für diese „Ordnungsamtsfälle“ machen dürfen, rannten wir offene Türen ein.

Im November 2006 fand unsere erste Aussegnungsfeier statt. Wir hatten mit Pastor Weick fünf ähnliche, nur in Texten und Liedern unterschiedliche Ordnungen für die Aussegnungsfeiern vorbereitet. Wir verwenden sie bis heute.

Oft können wir Gottes Zustimmung zu unserer Arbeit darin erkennen, dass uns die Friedhofsanlage als feierlicher Rahmen für die Begleitung der Verstorbenen empfängt: Mit weiß gefrorenen Bäumen und Büschen im Morgenrot im Winter, mit frischem Grün und aufgehenden Blüten im Frühjahr, mit viel Grün und Blütenpracht im Sommer und mit den bunten Herbstfarben und aufgehender Sonne.

Die Aussegnungsfeiern finden im Schnitt einmal im Monat statt. Sie beginnen um 07:45 Uhr in der Kapelle des Friedhofes. So passen sie beim Friedhof am besten in den Tagesablauf und wir können anschließend unserer Arbeit nachgehen. Die Namen der verstorbenen Menschen erfahren wir erst am Morgen der Beisetzung, sie stehen auf den Deckeln der Urnen, zusammen mit Geburtsdatum und Sterbedatum. Sicher fehlen uns so fast alle Angaben, was diese Menschen ausmachte. Immerhin können wir für jede und jeden ganz bewusst und mit Namen ein letztes Mal beten.

Ca. um 08:05 Uhr begleiten wir unter Glockengeläut die jeweils bis zu neun Verstorbenen auf ihrem letzten Weg. Ihre Urnen schiebt ein Friedhofsgärtner in einem Handwagen zum Grabfeld. Wir folgen. Die Glocken läuten, bis wir am Grabfeld sind. Dort beten wir noch einmal. Dann gehen wir zur Kapelle zurück. Die Urnen werden auf Wunsch des Friedhofes im Grabfeld ohne uns beigesetzt.

Die Gemeindemitglieder und andere Interessierte für diese Arbeit haben sich bei mir auf eine Liste eintragen lassen. Wir sind ein Kreis von etwa zehn Personen.

Der Friedhof teilt uns telefonisch mit, wenn wieder eine Beisetzung der „Ordnungsamtsfälle“ geplant ist. Gemeinsam mit dem Friedhof planen wir dann den Termin, an dem die Beisetzung stattfinden soll. Dies ist oft ein Dienstag ca. 7-14 Tage ab dem Anruf des Friedhofs. Wir teilen den Termin im Gottesdienst mit und ich telefoniere zeitnah die Liste ab, um zu klären, wer kommt.

Pro Jahr begleiten wir 30 bis 50 Menschen in Flensburg, die sonst vielleicht ohne jede Anteilnahme „vergraben“ worden wären. Wir geben ihnen einen würdevolleren Weg aus dieser Welt und unsere Fürbitte für ihr Leben in Gottes Ewigkeit. Und wir erfahren Gottes Wirken auch in uns durch diesen Dienst.

Edgar Nordmann

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